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NORWEGEN. — Sociales.
sitzer, die übrigen Vorrechte aber mit dem Tode der damals geborenen
Adeligen aufliören sollten. Nur 15 Geschlechter, von denen überdies
seitdem ein Theil ausgestorben, nahmen die nach dem Gesetze von 1824
zulässigen Vorrechte, blos in der Führung eines adeligen Namens und
Wappens bestehend, in Anspruch.— Das Storthing schaffte 1839 auch
die Zünfte ab.
Norwegen zeigt, ebenso wie die Schweiz, was ein Land durch
zweckmässige volksthümliche (demokratische) Einrichtungen werden
kann. Der Roden ist bekanntlich sehr wenig fruchtbar. Das jährlich in
Anbau gebrachte Ackerland wird auf 418,000 Tonnen oder norwegische
Morgen geschätzt, d. h. auf nur ungefähr 29 geogr. Q.-Meil. Das ge-
sammte urbare Ackerland beträgt beiläufig das Vierfache dieser Summe,
also noch nicht 120 Q.-M. von 5800! Die Getreideproduction ist bei
weitem unzureichend; in gewöhnlichen Jahren müssen 800,000, in
schlimmen selbst 1’200,000 Tonnen Getreide eingeführt werden. Dabei
besteht die im Inlande gewonnene Frucht mehr als zur Hälfte blos aus
Hafer. — Es fehlt an Gewerbsindustrie ; es mangeln die Arbeiter dazu,
es mangeln die Capitalien; es fehlt an Strassen in dem von Natur un
wegsamen und dünn bevölkerten Lande. So sind denn die Norweger
vorzugsweise auf Seefahrt und Fischfang hingewiesen. Die ärmliche
Lebensweise aber hat die hässliche Krankheit des Aussatzes {Lepra^
Elephantiasis orienta Hs) und im Norden den Scorbut zur Folge.
Als Norwegen 1811 die Selbständigkeit erlangte, war sein Zustand
in jeder Hinsicht äusserst traurig. Jetzt bietet sich ein ungleich günsti
geres Bild dar. Die »Bauernherrschaft« des Storthings versäumte es nicht,
das materielle Wohl, ja sogar Kunst und Wissenschaft zu fördern. —
Die Theilbarkeit der grossen Güter ist auch in Norwegen eingeführt,
und hat auch hier ihre heilsamen Wirkungen erprobt. Schon 1821 er-
liess der Storthing ein Gesetz über Erbtheilung der Aecker. Auch die
ungetheilten Gemeindegüter sollten freies Brivateigenthum werden. Der
Staat selbst parcellirtc und verwandelte seine verpachteten Güter in freies
Eigenthum, wodurch die Zahl der Grundbesitzer ansehnlich vermehrt
^ya^d. In den Jahren 1822—38 wurden auf solche Weise 3112 parcel-
lirte Bauerngüter verkauft. In den Jahren 1825—35 vergrösserte sich
die Zahl der Grundbesitzer von 90,385 auf 105,000. IJer Grundwerth
aber, 1802 auf 25% Mill. Spec, geschätzt, war schon 1839 auf 04 Mill,
gestiegen. — Nicht minder hebt sich die für Norwegen besonders wich
tige Schifffahrt. Im Jahre 1809 bcsass das Land 1363 Fahrzeuge von
54.000 Commerzlasten (zu 2 engl. Tonnen); 1837 2373 Schiffe von
80.000 Lasten, mit einer Bemannung von 12,400 Seeleuten; 1845
4061 Schiffe zu 123,328; 1853 4893 Schiffe zu 174,945, 1859 5278
Fahrzeuge von 203,041 u. 1861 5493 von 276,077 Lasten mit 33,953
Seeleuten, die zu den besten in der Welt gehören. Ila/enverkehr 1861:
eingelaufen 11,473 Schiffe von 583,949 Last (wovon aber 393,919
Ballast), ausgelaufen 10,994 von 529,634 Last (wov. 111,376 Ballast).
— Den geistigen Fortschritt bezeichnet die Zunahme der Buch
druckereien. Im Jahre 1807 bcsass das Land deren blos 4; 1845
bereits 37. Zu jener Zeit erschienen nur 4 dürftige Wochenblätter, in
dieser 23 Zeitungen und 13 Zeitschriften. Selbst bis Tromsoe und Ham-