402
SPANIEN. — Sociales.
und r234,lSS Taglöhner etc. Von den 4364 Städten des Landes befanden
sich nur 1275, von den 12,732 Dörfern nur 4233 unter königl.
Jurisdiction. — Wie die Volksbildung gehemmt statt befördert ward,
zeigte der Erfolg. Selbst rein materielle Verbesserungen liess man nicht
auikommen. Bekannt ist die Entscheidung, als zur Zeit Karl’s II. eine
niederländische Gesellschaft den Tajo und Manzanares schiffbar machen
wollte : »Hätte der allmächtige Gott diese Flüsse bis Madrid schiffl)ar
haben wollen, so würde er dies ohne alle Mitwirkung schwacher Menschenkinder
ausgeführt haben ; es wäre daher eine freventliche Widersetzlichkeit
gegen ihn und seine Vorsehung, wenn schwache Menschen
das ordnen wollten, was er aus allweisen Gründen zu thun unterliess.«
(Annalen \ .Don Juan Alvarez de Colmenar.) — Sogar im letzten Drittel
des vorigen Jahrhunderts bedurfte es aller Anstrengungen von Campomanes,
um ein Gesetz zu erlangen, durch welches die wichtigsten Gewerbe
wieder für ehrlich erklärt wurden, nachdem sie Jahrhunderte lang
für unehrenhaft gegolten hatten. Selbst nach 1820 zählte man noch 3005
Klöster im Lande. Bis dahin bezog der Erzbischof von Toledo ein
Einkommen von 500,000 Ducaten, jener von Valencia 200,000. Die
Einkünfte des Erzbisthums Valencia sollen 15’400,000 Realen betragen
haben. In Galizien befanden sich Vg des Bodens im Besitze der Geistlichkeit,
in ganz Spanien wol ein volles Drittheil. Das Einkommen des
Staats betrug 1820 21 Mill. Piaster, das der Geistlichkeit 52 Mill. —
Nach der 1855 angeordneten Aufhebung der Jesuitenconvente und aller
Klöster von weniger als 12 Conventualen (was die Säcularisirung von
ungefähr 000 Klöstern herbeiführte) blieben deren noch über 1000 bestehen.
— Nach dem Dicionário von Canga Arguelles bezog der päpstliche
Stuhl von der iberischen Halbinsel;
von Ende des 11. bis Ende des 18. Jahrhunderts 14,400’000,000 Real.
von 1814—20 (davon für Ehedispense 24’945,880) 41*525,22fi
von 1820—55 140*000,000
Noch hält der Adel einen enormen Grundbesitz ungetheilt und in
schlechter Bewirthschaftung (zu Ende 1856 zählte man 1350 Granden
von Spanien, worunter 75 Herzoge, 51 6 Grafen, 64 7 Marquesen, 65 Viscondes,
55 Barone; — ausserdem 585 Generalofficiere !). Noch fehlt es
an guten Schulen ; noch ist die Geistlichkeit übermächtig, diese Geistlichkeit,
der der Mangel an Unterricht des Volkes zur Last gelegt werden
muss -T- da die Schulen sich in ihrer Gewalt befinden. Noch hemmen
mannichfache Hindernisse eine allseitige Entwicklung der Industrie,
darunter das Schutzzollwesen *). Gleich wol haben die allerdings mitunter
furchtbaren Erschütterungen seit Anfang des jetzigen Jahrhunderts,
der Uebergang der Güter todter Hand in freien Besitz etc., wenigstens
zur Benützung eines Theiles der vorhandenen reichen Kräfte geführt.
Die Regenerirung trifft zusammen mit dem Sturze der Mönchsherrschaft
und der Beschränkung des Absolutismus. Im starken Gegensätze zu den
*) Die dadurch »beschützte« Fabrikation von Baumwollen- und Wollenstoffen
kann nirgends mit der ausländischen concurriren; und als Folge der
den Papierfabriken gewährten Begünstigung konnten namentl. gegen Ende 1859
die Madrider Zeitungen nur immer mit Mühe das benöthigte Papier auftreiben !