Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

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SPANIEN.  —  Sociales.

und  r234,lSS  Taglöhner  etc.  Von  den  4364  Städten  des  Landes  befanden ­
  sich  nur  1275,  von  den  12,732  Dörfern  nur  4233  unter  königl.
Jurisdiction.  —  Wie  die  Volksbildung  gehemmt  statt  befördert  ward,
zeigte  der  Erfolg.  Selbst  rein  materielle  Verbesserungen  liess  man  nicht
auikommen.  Bekannt  ist  die  Entscheidung,  als  zur  Zeit  Karl’s  II.  eine
niederländische  Gesellschaft  den  Tajo  und  Manzanares  schiffbar  machen
wollte  :  »Hätte  der  allmächtige  Gott  diese  Flüsse  bis  Madrid  schiffl)ar
haben  wollen,  so  würde  er  dies  ohne  alle  Mitwirkung  schwacher  Menschenkinder ­
  ausgeführt  haben  ;  es  wäre  daher  eine  freventliche  Widersetzlichkeit ­
  gegen  ihn  und  seine  Vorsehung,  wenn  schwache  Menschen
das  ordnen  wollten,  was  er  aus  allweisen  Gründen  zu  thun  unterliess.«
(Annalen  \  .Don  Juan  Alvarez  de  Colmenar.)  —  Sogar  im  letzten  Drittel
des  vorigen  Jahrhunderts  bedurfte  es  aller  Anstrengungen  von  Campomanes,
  um  ein  Gesetz  zu  erlangen,  durch  welches  die  wichtigsten  Gewerbe ­
  wieder  für  ehrlich  erklärt  wurden,  nachdem  sie  Jahrhunderte  lang
für  unehrenhaft  gegolten  hatten.  Selbst  nach  1820  zählte  man  noch  3005
Klöster  im  Lande.  Bis  dahin  bezog  der  Erzbischof  von  Toledo  ein
Einkommen  von  500,000  Ducaten,  jener  von  Valencia  200,000.  Die
Einkünfte  des  Erzbisthums  Valencia  sollen  15’400,000  Realen  betragen
haben.  In  Galizien  befanden  sich  Vg  des  Bodens  im  Besitze  der  Geistlichkeit, ­
  in  ganz  Spanien  wol  ein  volles  Drittheil.  Das  Einkommen  des
Staats  betrug  1820  21  Mill.  Piaster,  das  der  Geistlichkeit  52  Mill.  —
Nach  der  1855  angeordneten  Aufhebung  der  Jesuitenconvente  und  aller
Klöster  von  weniger  als  12  Conventualen  (was  die  Säcularisirung  von
ungefähr  000  Klöstern  herbeiführte)  blieben  deren  noch  über  1000  bestehen. ­
  —  Nach  dem  Dicionário  von  Canga  Arguelles  bezog  der  päpstliche ­
  Stuhl  von  der  iberischen  Halbinsel;
von  Ende  des  11.  bis  Ende  des  18.  Jahrhunderts  14,400’000,000  Real.
von  1814—20  (davon  für  Ehedispense  24’945,880)  41*525,22fi
von  1820—55  140*000,000
Noch  hält  der  Adel  einen  enormen  Grundbesitz  ungetheilt  und  in
schlechter  Bewirthschaftung  (zu  Ende  1856  zählte  man  1350  Granden
von  Spanien,  worunter  75  Herzoge,  51  6  Grafen,  64  7  Marquesen,  65  Viscondes,
  55  Barone;  —  ausserdem  585  Generalofficiere  !).  Noch  fehlt  es
an  guten  Schulen  ;  noch  ist  die  Geistlichkeit  übermächtig,  diese  Geistlichkeit, ­
  der  der  Mangel  an  Unterricht  des  Volkes  zur  Last  gelegt  werden ­
  muss  -T-  da  die  Schulen  sich  in  ihrer  Gewalt  befinden.  Noch  hemmen ­
  mannichfache  Hindernisse  eine  allseitige  Entwicklung  der  Industrie,
darunter  das  Schutzzollwesen  *).  Gleich  wol  haben  die  allerdings  mitunter ­
  furchtbaren  Erschütterungen  seit  Anfang  des  jetzigen  Jahrhunderts,
der  Uebergang  der  Güter  todter  Hand  in  freien  Besitz  etc.,  wenigstens
zur  Benützung  eines  Theiles  der  vorhandenen  reichen  Kräfte  geführt.
Die  Regenerirung  trifft  zusammen  mit  dem  Sturze  der  Mönchsherrschaft
und  der  Beschränkung  des  Absolutismus.  Im  starken  Gegensätze  zu  den

*)  Die  dadurch  »beschützte«  Fabrikation  von  Baumwollen-  und  Wollenstoffen ­
  kann  nirgends  mit  der  ausländischen  concurriren;  und  als  Folge  der
den  Papierfabriken  gewährten  Begünstigung  konnten  namentl.  gegen  Ende  1859
die  Madrider  Zeitungen  nur  immer  mit  Mühe  das  benöthigte  Papier  auftreiben  !
            
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