Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

SPANIEN.  —  Sociales.

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Kriegsgeschichtliches.  Nach  dem  Etat  von  1776  sollte  die  Landmacht ­
  132,730  M.  zählen;  der  wirkliche  Bestand  ward  indess  1783
nur  auf  60—70,000  geschätzt,  wozu  20,000  M.  Landmiliz  kamen.  Die
Marine  war  damals  noch  sehr  ansehnlich:  1782  rechnete  man  gegen
50  Linien-  und  70  sonstige  grössere  Schiffe  mit  5300  Kanonen  und
55,000  Seeleuten.  (Ueber  die  Schlacht  von  Trafalgar  siehe  S.  26  J  —
Leber  die  (fortwährend  ungemein  wechselnde)  Zahl  der  Kämpfer  gegen
Napoleon  fehlen  bestimmte  Anhaltspunkte.  Nach  dem  Kriege  waren  so
viele  Ofticiere  vorhanden,  dass  man  ein  Heer  von  anderthalb  Millionen
Soldaten  hätte  versehen  können,  darunter  700  Generale.  —  Im  Frühlinge
  1822,  als  der  Krieg  mit  Frankreich  drohte,  zählte  man  nur  48,681
Soldaten  (dagegen  waren  gleichzeitig  73,495  Geistliche  über  den  reichlich ­
  bemessenen  Bedarf  vorhanden  !).  Die  gegen  Spanien  ausgesendete
franz.  Expeditionsarmee  bestand  aus  etwa  80,000  Mann.  —  Als  der
sechsjährige  Kampf  zwischen  Cristinas  und  Carlisten  begann,  Ende  1835,
bestand  die  Macht  der  Letzten  aus  18,000  M.  Fussvolk,  800  Reitern,
17  bespannten  und  35  un  bespannten  Kanonen,  dann  3500  Freiwilligen
als  Reserve.  Die  Cristinos  besassen  eine  Streitmacht  von  nahezu  100,000
Mann.  Später  stieg  dieselbe  auf  fast  150,000;  die  Kräfte  der  Carlisten
aber  vermehrten  sich  in  Biscaya  und  Navarra  auf  40,000,  in  Aragonien
(unter  Cabrera)  und  Catalonien  auf  30,000.  Anfangs  1855  zählte  das
Heer  67,400  M.,  wobei  jedoch  8000  Gendarmen  eingerechnet  waren.
—  Der  Feldzug  gegen  Marokko,  1859,  erhöhte  das  Selbstvertrauen  der
Truppen,  dagegen  soll  der  Versuch,  St.  Domingo  zu  unterwerfen,  bis
Ende  1864  gegen  20,000  M.  gekostet  haben.  —  Auffallend  ist  die
grosse  Sterblichkeit  unter  den  Truppen.  Im  J.  1860  starben  blos  in  den
Militärspitälern  56  Officiere  u.  4515  Soldaten  (davon  7  Off.  u.  675  Soldaten ­
  in  Tetuan)  ;  1861  starben  in  jenen  Spitälern  11  Off.  1862  Soldaten. ­
  Ausserdem  viele  in  den  Civilspitälem.  —  Rühmlich  ist  auch
der  Aufschwung  der  Marine*).
Sociales.  Adel  und  Geistlichkeit  besassen  Jahrhunderte  lang  die
Reichthümer  Spaniens  ;  neben  ihnen  erhob  sich  der  fürstliche  Absolutismus. ­
  Wohin  man  kam,  mögen  einige  Daten  zeigen.  Im  Jahre  1787
zählte  man  in  Spanien  479,653  Edelleute  (wie  in  Russland,  ist  hier
blos  das  männliche  Geschlecht  in  Rechnung  gezogen),  davon  beinahe
V*  in  Asturien  ;  ferner  77,665  Mönche  und  59,396  Weltgeistliche  (bei
der  Aufnahme  von  1768  sogar  83,118  Ordens-  und  66,687  Weltgeistiche
  ;  ausserdem  2666  Beamte  der  Inquisition,  ungerechnet  deren  »Familiären«), ­
  und  4103  Beamte  der  übrigen  Geistlichkeit;  sodann  37,902
Civilbeamte  und  77,884  Militäre  ;  dann  34,030  Kaufleute  (die  Zahl  der
Geistlichen  war  4  mal  so  gross!),  39,073  Fabrikarbeiter,  262,932
Handwerker  (kaum  die  doppelte  Zahl  der  Geistlichen),  896,844  Bauern,

*)  Die  Zeitung  Contemporáneo  bemerkte  im  Mai  1864  {wenn  auch  nicht
ganz  übereinstimmend  mit  der  obigen  Schiffsliste)  :  »Im  Jahre  1844  bestand  die
spanische  Flotte  aus  47  Schiffen,  meistens  Segelschiffen,  welche  713  Kanonen
trugen.  Gegenwärtig  zählt  Spanien  122  Schifk,  welche  1324  Kanonen  tragen,
demnach  hat  sich  in  20  Jahren  die  Seemacht  um  75  Schiffe  mit  611  Kanonen
vergrössert.«
Kolb,  Statútik.  4.  Aufl.

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