Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

GRIECHENLAND.  —  Finanzen.

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Colonien  Englands  zustehen.  Daher  beständiges  Verlangen  einer  Vereinigung ­
  mit  Griechenland.
Finanzen.  Dieselben  sind  seit  dem  Bestehen  des  Staates  in  vollständiger ­
  Zerrüttung.  Für  1864  waren  die  Einnahmen  auf  23’348,685
Drachmen  geschätzt;  die  gleiche  Summe  ward  für  1865  angenommen,
doch  mit  einer  durch  die  Vereinigung  der  ionischen  Inseln  eiyielten  Vermehrung ­
  von  4*805,000.  Die  Ausgaben,  im  Vorjahre  zu  22*233,118
Drachmen  veranschlagt,  erhöhen  sich  nunmehr  auf  27  965,874  Drachmen. ­
  Von  der  Ausgabenvermehrung  kommen  nur  3*648,911  auf  die
ionischen  Inseln,  der  Rest  kommt  dem  frühem  Griechenland  zu  gut.  —
Von  der  Ausgabesumme  erfordert  das  Militärwesen  allein  5  374,529
Drachmen.  Was  die  Einnahme  betrifft,  so  ist  jedoch  zu  bemerken,  dass
die  wirklich  eingehenden  Summen  weit  hinter  dem  Voranschläge  zurückzubleiben ­
  pflegen.  In  dem  Budget  für  1861  war  der  Bedarf  für  die  Civilliste
  mit  1  Mill.,  für  das  Landheer  mit  6*038,696,  Marine  mit  2*131,958
veranschlagt.  Nach  einem  Uebereinkommen  der  Schutzmächte  soll  dieCivilliste,
  durch  Verzichten  dieser  Mächte  auf  einen  entsprechenden  Theil
ihrer  Zinsforderung,  um  12,000  £  erhöht  worden  sein.  (Der  König  wäre
aber  damit  blos  ein  apanagirter  Prinz  jener  fremden  Regierungen  geworden ­
  !)  Da  sich  auch  die  Finanzverhältnisse  der  ionischen  Inseln  keineswegs ­
  in  blühender  Lage  befanden,  so  ist  nicht  abzusehen,  in  welcher
Weise  nunmehr  sofort  ein  befriedigendes  Verhältniss  hergestellt  werden
könnte.*)
Aus  einer  officiellen  Zusammenstellung  entnehmen  wir  folgende
Thatsache:  Von  Errichtung  der  Monarchie  im  Jahre  1833  bis  Ende  1862
beliefen  sich  •

Die  ordentl.  Einkünfte  Griechenlands  auf  •  -  i
Der  Ertrag  der  Anlehen  und  die  Vorschüsse  der  Schutzmächte  14ä  110,144

Zusammen  603*221,206
470*032,402

Die  Verwaltungsausgaben
Die  Zahlungen  auf  die  Schuld  ^  '

*826,^0
Zusammen  597*858,931

Dabei  hat  man  aber  eben  die  Verpflichtungen  für  die  Schuld  nur
zum  kleinsten  Theile  erfüllt,  im  Wesentlichen  die  Schutzmächte  Vorschüsse ­
  leisten  lassen.

*)  Eine  unbefangene  Würdigung  der  Verhältnisse  wird  zu  der  Ansicht
führen,  dass  Griechenland,  zumal  bei  der  geringen  Entwickelung  seines  liodenanbaues
  und  seiner  Gewerbsindustrie,  —  die  Kosten  einer  Holhaltung,  eines
ausgebildeten  Beamtenthums  und  eines  stehenden  Heeres  zu  erschwingen  ment
vermöge.  Der  Bau  des  königl.  Palastes  in  Athen  allein  soll,  nach  laylor,  zwei
Mill.  Dollars  gekostet  haben.  Eine  Einrichtung,  welche  dem  Lande,  seinen  Zuständen ­
  und  Mitteln  entsprechen  sollte,  hätte  auf  ähnlichen  G^ndlagen  beruhen ­
  müssen,  wie  wir  dieselben  in  der  Schweiz  mit  den  schönst^  Ergebnissen ­
  finden:  eine  Föderativrepublik,  in  welcher,  von  der  Gemeinde
ausgehend,  dann  zum  Kantone  aufsteigend,  die  unmittelbar  Betheiligten  m  einfacher ­
  Weise  sich  selbst  regieren;  wobei  nur  dasNothwendige  centralisirt,
kein  Hof,  kein  kostspieliges  Beamtenthum,  noch  ein  stehendes  Heer  vorhanden
Wäre,  wie  es  auch  gerade  der  ganzen  historischen  Entwicklung,  den  glorreichsten
Erinnerungen  aus  den  Zeiten  des  alten  Hellenenthums  allein  entspräche.
            
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