Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

GRIECHENLAND.  —  Militär,  Sociales.

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Militär.  Conscription.  Im  April  1861  gab  der  Kriegsminister  den
Stand  der  Truppen,  mit  Einrechnung  der  eben  noch  auszuhebenden  Recruten,
  folgendermassen  an:  911  Officiere,  1760  Unterofficiere,  362
Musiker  und  7888  Gemeine.  In  Folge  der  Revolution  ergab  sich  eine
beinahe  vollständige  Auflösung  der  Truppen.
Formation  von  1861:  10  Bataill.  Infanterie,  4  Schwadr.  Reiter  (das  1  Glied
mit  Lanzen),  1  Rataill.  Artill.,  1  Sappeure-  u.  1  Ouvriers-Comp.  ;  dann  Cadres
für  10  Bataill.  Reserve  und  (ungef.  1700  M.)  Gendarmerie.
Festungen.  Missolunghi,  Nauplia,  Navarin,  Tripoliza,  Akrokorinth,  Akropolis ­
  von  Athen,  Chalkis,  Lamia,  Vonitza,  Rhion,  Monerabasia.
Marine.  1  Ilampffregatte  von  28  Kanonen  und  320  Pferdekraft,  2  Segelcorvetten
  von  26  und  22  Kau.,  1  Raddampfer  von  120  Pferdekr.,  6  Schraubenavisos ­
  und  23  kleinere  Segelschiffe,  zusammen  32  Fahrzeuge  mit  182  Kanonen;
die  8  Dampfer  mit  735  Pferdekraft  und  44  Kanonen,  ungerechnet  2  ionische
Dampfer.
Sociales,  ln  keinem  Theile  der  Welt  findet  man  auf  so  engem  Raume
grössere  Unterschiede  im  Bildungsgrade  der  Einwohner:  neben  einem
beinahe  vollkommenen  Mangel  aller  Cultur,  die  grösste  \erfeinerung.
Nur  in  Russland  begegnen  wir  theilweise  ähnlichen  Verhältnissen.  —
Die  Geistlichkeit  besass  unter  der  türkischen  Herrschaft  fast  %  des  Bodens. ­
  Von*  den  Klöstern  wurden  zwar  schon  1829  320  aufgehoben,
welche  weniger  als  6  Bewohner  zählten;  es  blieben  aber  noch  82  übrig,
mit  1500  —  2000  Mönchen  und  Nonnen.  Die  Frauenklöster  reducirte
man  1833  auf  30.  —  Im  J.1853  soll  man  in  Griechenland  gezählt  haben  :
30  Bischöfe  und  Erzbischöfe,  5114  Geistliche,  12,549  Beamte  (!),  dagegen ­
  nur  674  Lehrer!  Für  Unterricht  ist  seitdem  etwas  mehr  geschehen.
In  Ionien  gab  es  1858  180  Schulen  mit  6732  Knaben  und  1076  Mädchen. ­
  Man  zählt  (ungerechnet  die  ionischen  Inseln)  10  Gymnasien  und
eine  Universität  (zu  Athen,  mit  600  Studenten),  eine  andere  Universität
zu  Korfu.  —  Einen  Adel  gibt  es  eigentlich  nicht.  Einige  phanariotische
Familien  legen  sich  zwar  den  Fürsten-,  einige  ionische  den  Grafentitel
bei;  indess  verbot  schon  die  Verfassung  von  Trözene  (1827)  die  Ertheilung
  von  Adelstiteln.  —  Unter  den  Einwohn,  waren  1853  nur  25,542
Gewerbtreibende.  Die  Zahl  der  Seeleute  ward  zu  26,312,  jene  der
Ackerbauer  zu  229,259  angegeben.  Die  Masse  des  Volkes  lebt  höchst
ärmlich  ;  in  vielen  Gegenden  bilden  Milch  und  Kräuter  die  ausschliessliche ­
  Nahrung.  Von  den  7’700,000  Ilectaren  Landes  sind  freilich  2*/,
Mill,  durch  Felsen  und  Berge,  800,000  durch  Waldungen  eingenommen;
allein  auch  vom  Reste  ist  kaum  %  wirklich  angebaut;  obwol  die  Bevölkerung, ­
  mit  Ausnahme  der  Inselbewohner,  wesentlich  eine  ackerbauende
ist,  muss  das  Land  dennoch  Getreide  einführen.  Der  Grund  liegt  hauptsächlich ­
  darin,  dass  es  so  wenig  freies  Bodeneigenthum  gibt.  Ungeheuere ­
  Ländereien  befinden  sich  im  Besitze  der  todten  Hand,  der  Kirchen
wnd  Klöster;  von  anderen  muss  dem  Staate  der  Zehnte,  ja  mitunter  ein
doppelter  und  ein  dritthalbfacher  Zehnt  entrichtet  werden,  wodurch ­
  der  Anbau  mancher  Producte  gerade  unmöglich  gemacht  ist.  Dazu ­
  eine  enorm  hohe  Grundsteuer.  (Die  Regierung  hinderte  ausserdem
dadurch,  dass  sie  nach  der  Revolution  von  jedem  Grundbesitzer  einen
besondern  Erwerbs-Nachweis  forderte  —  in  einem  Lande  ,  in  welchem
so  wenig  verbrieft  ward,  und  nach  einem  solchen  Revolutionskriege  !
und  in  dessen  Ermangelung  die  Grundstücke  als  Staatseigenthum  bean-
            
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