Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

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VEREINIGTE  STAATEN.  -  Militär.

Während  die  Bundesversammlung  der  kleinen  Schwei/  blos  an  Auszug
und  Reserve  S8  Linien-Bataill.  etc.  kurzweg  zum  Ausmarsch  befehligen
kann,  besass  die  Union  in  jenen  angeblichen  drei  Millionen  Milizen
nicht  eine  einzige  zum  Felddienst  zu  befehligende  organisirte  Compagnie  !
Es  ist  ein  halbes  Wunder,  wie  aus  diesem  Zustande  ein  wirkliches  Heer
herausgebildet  werden  konnte,  und  doch  gelang  es,  wenn  auch  allerdings
mit  schweren  Opfern,  die  sehr  wol  zu  vermeiden  gewesen  wären.  Man
vermehrte  nun  zunächst  die  Linientruppen  auf  19  Reg.  Infant.,  6  Ca  valí.,
5  Artill.  (im  März  1S62  39,3/3  M.)  ;  dann  folgte  die  Werbung  von
s.  g.  »Freiwilligen«  auf  kurze,  später  auf  längere  Zeit;  endlich  im  Juli
1863  zum  erstenmal  die  wirkl.  Aushebung  durch  Conscription  mit  der
Befugniss  des  Loskaufs.  Da  diese  Befugniss  aber  wesentl.  beitrug,  dass
man  die  nöthige  Mannschaft  nicht  erlangte  (nach  Angabe  des  Kriegsministers ­
  vom  Dec.  1863  erhielt  man  statt  der  ausgeschriebenen  300,000
Recruten  in  Wirklichkeit  nur  50,000),  so  ward  1864  diese  Begünstigung ­
  beseitigt  und  dafür  die  Stellvertretung  gestattet.  Stellt  man  nun
einfach  die  verschiedenen  Truppenaufgebote  zusammen,  so  erhält  man
allerdings  folgende  colossale  —  aber  täuschende  —  Zahlen  •

Die  wirkliche  Vermehrung  der  Truppen  erfolgte  aber  nicht  entfernt
in  dieser  Ausdehung.  Vor  Allem  wurde  (wie  uns  bestimmt  versichert
wird)  die  jeweils  geforderte  Gesammtsumme  auf  alle  Staaten  der  Union,
also  auch  die  insurgirten,  ausgeschlagen,  in  denen  natürlich  eine  Aushebung ­
  gar  nicht  stattfinden  konnte  (von  500,000  trafen  ungef.  360,000
auf  die  bundestreuen  Staaten)  ;  sodann  kamen  die  Loskäufe,  welche  der
Unionscasse  zwar  Geld  aber  keine  Mannschaft  lieferten,  und  endlich  erfolgte ­
  Entlassung  aller  Soldaten  ,  sobald  deren  (anfangs  nur  so  kurz  bestimmte) ­
  Dienstzeit  vorüber  war,  da  man  nicht,  wie  in  Europa,  während
des  Krieges  jede  Entlassung  der  Gesunden  verweigerte.  Jene  Ausschreibungen ­
  besitzen  also  keineswegs  die  gleiche  Bedeutung  wie  etwa
die  vom  alten  Napoleon  angeordneten  Aushebungen  (siehe  S.  82).  Dagegen ­
  ist  allerdings  zu  erwähnen  ,  dass  die  Aushebungen  in  den  Südstaaten ­
  vom  April  1861  bis  Juli  1864  zu  498,500  Mann  angegeben
werden.  Nach  dem  Army-Register  sollen  die  bundestreuen  Staaten  vom
Anfang  des  Bürgerkriegs  bis  Ende  1864  1'258,761  M.  wirklich  gestellt
haben.  Davon  seien  aber  497,875  Milizen  nur  auf  3  oder  9  Monate  eingereiht ­
  gewesen,  wonach  für  den  längeren  Dienst  zusammen  nur
760,886  Mann  verblieben.
Ueber  die  Formation  und  Stärke  fehlen  uns  verlässige  Uebersichten ­
  durchaus.  Schwerlich  betrug  die  Stärke  der  Unionsheere  auf  den

1861,  April,  Freiwillige  auf  3  Monate

77,875
660,971
300,000
300.000
120.000
300,000
300,000
300.000
700.000
500.000
300.000

Dec.,
1862,  Juli,
Aug.,  Miliz

3  Jahre
—  3  —
9  Monate
-loo  Tage

Í863,  Juli,  Conscribirte

2  Jahre
3  -

-  3
-  3  -
-  3  -
-  3  -

Zusammen  in  4  Jahren  3’858,846
            
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