Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

28  GROSSBIUTANIEN.  —  Sociale,  Gewerbs-  und  Hanclelsverhältnisse.
abgenommen  ;  namentlich  verringerte  sich  die  Zahl  der  Dienstknechte  von
288,272  auf  204,'.>02,  während  die  der  laglöhner  wie  der  harmer  sich  ungefähr
gleich  Wiebdu^tri^jiien  Classe  gehören  3’202,510  männl.  und  1'505,8Y>  Avcibl.
317,832  (statt  254,150).
In  allen  Zweigen  der  Industrie  waltet  der  Grundsatz  der  freien
Thäti^keit.  Daher  volle  Ge  werbsfre  i  heit  jedoch  Beschränkung  des
Wirthschaftsbetriebs  aus  »Sittlichkeitsrücksichten«).  Im  \ölkerverkehre
wird  der  Freihandel  erstrebt.  Man  hat  noch  sehr  hohe  Finanz  Zölle
auf  wenige  (zunächst  im  Inlande  nicht  producirte)  Artikel,  aber  keine
eigentlichen  »Schutzzölle«  mehr.  Hinsichtlich  des  Ackerbaues  besteht
—  ein  nach  wirkender  Fluch  der  Eroberung  des  Landes  durch  die
Xormanen  —  in  grosser  Ausdehnung  Gebundenheit  der  Güter  durch
das  Majoratswesen.  Der  Ackerbau  ist  blühend  ,  sein  Ergebniss  jedoch
bei  weitem  nicht  so  glänzend  wie  das  der  Industrie.  Grossbritanien  bedarf ­
  jedes  Jahr  einer  Ungeheuern  Getreidezufuhr.  Die  Gesammtsumme
der  importirten  Quantitäten  betrug,  mit  Einrechnung  des  Mehles,  das
letzte  auf  die  entsprechende  Getreidequantität  reducirt  :

Jahr  Quarters  Weizenpreis
1K43  l'433,''0l  sh.  50  1  ''
1840  4’752,174  -  54  8
1K47  11’012,804  -  00  0
1848  7’52S,472  -  50  0
1851  O’ö  18,020  -  38  0
1852  7’740,0e0  -  40  0
1853  10’173,135  -  53  3
1854  7’000,544  -  72  5
1855  0’278,813  -  74  8

Jahr  Quarters  Weizenpreis
1850  0’330,425  sh.  00  2  d.
1857  0’100,IM)  -  50  4
18.58  11’203,705  -  44  2
1850  10’270,774  -  43  0
1800  14*404,070  -  53  3
1801  10’004,014  -  55  4
1802  18’441,701  -  55  5
1803  15*353,352  -  44  0

Nicht  ganz  die  Hälfte  besteht  aus  Weizen.  —  Man  kann  sonach
annehmen,  dass  Grossbritanien  dermalen  jährlich  1U-—1.'>  Mill.  Quarters
Brodstoffe  vom  Auslande  bezieht,  und  dafür  22  Io  Mill.  L  (also  etwa
1.15  —  300  Mill.  Thlr.)  entrichten  muss.  Gleichwol  ist  England  das
reichste  Land  der  Erde.  Die  Werthe,  welche  die  Industrie  schafft,  sind
ungleich  grösser,  als  wenn  die  Arbeitskraft  für  den  Anbau  der  zum
Lebensunterhalte  nöthigen  Brodstoffe  verwendet  würde.  \  or  Aufhebung
der  Kornzölle,  d.  h.  vor  ISIO,  ward  ein  Import  von  zwei  Mill.  Quaiters
  schon  für  sehr  bedeutend  angesehen;  IS.lo  betrug  die  Einfuhr  von
Weizen  nur  40,530Quart,  und  von  Mehl  84,6S4  Cntr.  Seitdem  ist  die
Einfuhr  bis  zu  einem  Quantum  gestiegen,  von  dem  man  früher  geglaubt
hätte  die  ganze  Welt  könne  dasselbe  nicht  liefern.  Ueberdies  ist  der
Getreidebezug  von  auswärts  nicht  mehr  eine  Sache  zufälligen  Bedarfs,
sondern  ein  Zweig  des  regelmässigen  Handelsverkehrs.
Das  naturgemässe,  hier  nicht  verdrängte  Frincip  des  Self-Government ­
  trägt  zur  Entwickelung  des  Wohlergehens  der  Nation  mächtig  bei.
Ungeachtet  des  enormen  Missstandes  einer  Anhäufung  des  grössem
Grundbesitzes  in  den  Händen  einer  kleinen  Anzahl  von  Adelsfamilien
(welcher  Missstand  jedoch  durch  häufige  Heirathen  Adeliger  mit  Ferso-
            
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