thumbs: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Die Schranken der physiologischen Erklärung. 2921 
in die Sprache der Physiologie und der empirischen Naturlehre 
zu übersetzen. (Vgl. ob. S. 217.) Zugleich aber muss an dieser 
Stelle deutlich werden, dass diese Umformung ein vergebliches 
Bemühen ist und dass, ehe der wirkliche VUebergang von der 
Scholastik zur exakten Wissenschaft gefunden werden konnte. 
eine innere, logische Kritik der Gesamtstellung, die die Peri- 
patetische Philosophie dem Erkennen einräumt, vorausgehen 
musste, Bei Campanella dagegen erhallen wir nur eine neue 
Beschreibung des alten überlieferten Gehalts, die zudem in sich 
selber unzureichend und zwiespältig ist. Zwei Bewegungen 
können sich verbinden und zu einer neuen konkreten Bewegung 
von einheitlicher Richtung und Geschwindigkeit verschmelzen: 
aber die beiden Komponenten sind hier in dem Gesamtergebnis 
nicht mehr gesondert wiederzuerkennen, sie sind in ihm ausge- 
löscht und untergegangen. Das Eigentümliche der geistigen „Syn- 
these“ ist es dagegen, dass die. Momente, die sich in ihr zur Ein- 
heit fügen, als solche in individueller Besonderung und Bestimmt- 
heit erhalten bleiben. Nicht minder finden alle Analogien der 
Mechanik an dem Vermögen des Bewusstseins, Vergangenes durch 
Gegenwärtiges zu „repräsentieren“, ihre feste Schranke: die em- 
pfindende Seele, wie Campanella sie schildert, vermöchte im 
günstigsten Falle lediglich ihren momentanen Bewegungszustand 
gewahr zu werden, nicht aber in ihm die „Spur“ des Vergangenen 
von dem direkten Eindruck des Objekts zu trennen und zu unter 
scheiden. 
Von der Gleichsetzung zwischen der Sinneswahrnehmung und 
der reproduktiven Vorstellung schreitet die Nivellierung weiter, 
indem sie, gestützt auf die physiologische Einheitsanschauung, 
nunmehr auch das Denken und den Begriff in den gleichen Kreis, 
der durch die Empfindung begrenzt und beschlossen wird, hinein- 
zieht. Wir verfolgen diesen Fortgang nicht im Einzelnen, da sich 
in ihm nur die Entwicklungen des Telesio gleichlautend wieder- 
holen. Der diskursive Schluss besitzt keine eigene Bedeutung 
neben und über der Wahrnehmung: er hat nur das Ziel, Lücken 
unserer Erfahrung, die nicht direkt durch die sinnliche Beobach- 
tung ausgefüllt werden können, mittelbar gemäss dem Prinzip der 
Aehnlichkeit und der associativen Erwartung zu ergänzen. Auf 
einen derartigen Prozess gehen alle Verhältnisse und Kategorien
	        
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