Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

518  ALLGEMEINE  VERHÄLTNISSE.  —  Lebenskräftigkeit  nach  Racen.
Lebenskräftigkeit  der  verschiedenen  Racen  und  Stä?nme.  Wenn  wir
das  Hinschwinden  der  eingeborenen  amerikanischen  Stämme  betrachten  ;
wenn  wir  wahrnehmen,  wie  diese  Indianer  der  Kraft  ermangeln,  in  Berührung ­
  mit  Europäern  zu  leben,  so  haben  wir  einen  Beweis,  dass  die
Lebenskräftigkeit  der  verschiedenen  Racen  nicht  die  gleiche  ist.  Diese
Wahrnehmung  war  bekanntlich  die  nächste  Veranlassung  zur  Begründung ­
  der  Negersclaverei  in  Amerika.  Und  wirklich  beweist  die  Zunahme
der  Schwarzen  in  den  Vereinigten  Staaten,  ungeachtet  ihrer  entsetzlichen
Lage,  einen  hohen  Grad  von  Lebenszähigkeit.  Haben  sie  sich  doch  in
den  »Sclavenstaaten«  weit  stärker  vermehrt,  als  selbst  die  Freien.  Aber
nur  in  einem  Theile  der  heissen  Zone  ist  dies  möglich.  In  kälteren
Ländern  werden  die  Neger  durch  die  Schwindsucht  weggerafft.  Sogar
schon  in  Algerien  erliegen  sie  diesem  Loose.  Ja  selbst  unter  den  Tropen
gedeihen  sie  keineswegs  überall,  wie  sie  namentl.  auf  den  engl.  Antillen
ohne  die  Emancipation  und  ohne  frische  Zufuhr  allmählig  auszusterben
drohten  (s.  S.  45).  Auf  Ceylon  fand  man  schon  1841  keine  Spur  mehr
von  den  9000  Negern,  welche  die  Holländer  dahin  verbracht  hatten,
und  statt  der  seit  1803  durch  die  Engländer  dort  importirten  4—5000
Schwarzen  waren  damals  nur  noch  2  —  300  vorhanden.  —  Doch  nicht
blos  unter  den  verschiedenen  Racen,  sondern  selbst  unter  den  sich
näher  stehenden  Stämmen  einer  und  derselben  Race  zeigt  sich  ein
grosser  Unterschied  in  der  Lebenskräftigkeit.
I)as  Verpflanzen  nach  andern  Zonen.  Nach  den,  besonders  gelegentlich ­
  der  Colonisation  Algeriens  vorgenommenen  Untersuchungen
(namentlich  des  hochverdienten  Dr.  Boudin)  wird  man  in  der  Regel  den
Satz  aufstellen  können  :  Eine  Verpflanzung  nach  einem  Lande  mit  wesentlich ­
  anderem  Clima  als  die  Heimath  ist  jedem  Stamme  schädlich.
Nur  durch  die  Mittel  einer  höheren  Cultur,  in  gewisser  Beziehung
einem  Emancipiren,  wenn  auch  nicht  von  der  Erde,  doch  von  den
primitiven  rohen  Verhältnissen,  —  nur  durch  ein  I.ossagen  von  der  harten ­
  Arbeit,  zumal  im  Felde,  unmittelbar  unter  den  climatischen  Einflüssen ­
  ,  ist  es  dem  Menschen  möglich,  in  anderen  Zonen  zu  gedeihen.
Die  ganze  Lehre  vom  allmähligen  Acclimatisiren  beruht  auf  Täuschung. ­
  Die  Erfahrung  lässt  keinen  Zweifel,  dass,  je  länger  man  in
einer  solchen,  wenigstens  individuell  und  relativ  ungesunden  Gegend
verweilt,  der  durch  die  Fortdauer  ungünstiger  Einflüsse  immer  mehr  geschwächte ­
  Körper  desto  h  infälliger  wird.  Die  verderblichen  Einflüsse
sammeln  sich  an,  sie  cumuliren  sich  gleichsam.  Den  sprechendsten  Beweis ­
  dafür  liefern  die  Erfahrungen,  welche  man  im  englischen  Heere
machte.  Man  nahm  wahr,  dass  von  1000  Mann  auf  Ceylon  im  ersten
Jahre  44  starben,  im  zweiten  48,7,  im  dritten  49,2.  Bei  der  nemlichen
Anzahl  Soldaten  hatte  man  auf  Jamaika  im  ersten  Jahre  des  dortigen
Aufenthaltes  77  Sterbfälle,  im  zweiten  87,  in  den  folgenden  93.  Auf
Guyana  wechselte  die  Zahl  innerhalb  11  Jahren  folgendermassen  :  77,
87,  89,  03,  01,  79,  83,  73,  120,  109,  140;  —ungeachtet  einiger
Rückschläge,  im  Ganzen  eine  furchtbare  Vermehrung!  (s.  Tulloch  und
Boudin).  Solche  Erfahrungen  veranlassten  endlich  Aenderung  des  Systems. ­
  Da  ergab  es  sich  dann,  dass  die  Zahl  der  Sterbfälle  unter  die
Hälfte  gegen  früher  herabsank  (s.  S.  510).  Die  nemliche  Erfahrung
            
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