Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

520  ALIiGEMEIXE  VERHÄLTNISSE.  —  Lebenskräftigkeit  nach  Racen.

Auch  die  Kinder  der  Fremden  .sterben  in  solchen  Ländern,  —
sogar  die  in  denselben  geborenen  ,  —  und  zwar  in  noch  furchtbarerer
Menge  als  die  erwachsenen  Eingewanderten.  Es  zeigt  sich  dies  in  Algerien, ­
  in  Aegypten,  auf  den  Antillen  und  in  Ostindien.  Der  franz.
Militärarzt  Vital,  der  16  Jahre  in  Algerien  zubrachte,  fand,  dass  die
von  europäischen  Eltern  zu  Constantine  geborenen  Kinder  alsbald  »unerbittlich« ­
  hingerafft  werden;  von  den  (dem  I,ande  gleichfalls  fremden) ­
  hier  geborenen  Negern  erreichen  unter  lUO  durch  sehn,  blos  zwei
das  Jünglings-  oder  Jungfrauenalter  (s.  Gazette  médicale,  6.  November
1852).  In  Aegypten  waltet  dasselbe  Verhältniss.  Mehemed  Ali  hatte
90  Kinder,  nur  5  konnten  erhalten  werden.  Dieser  furchtbaren  Erscheinung ­
  misst  man  es  bei,  dass  das  Nilland,  ungeachtet  dasselbe  so  oft  Eroberern ­
  unterlag,  heute  noch  von  demselben  Menschenstamme  bewohnt
ist,  wie  zu  den  ältesten  Zeiten  (s.  Schölcher’s  L'Égypte  en  1S45).
In  Algerien  ist  das  Andenken  an  die  Römer  noch  nicht  erstorben  (die
Franzosen  wurden,  wenigstens  anfangs  —  nach  einer  mündlichen  Mittheilung ­
  des  franz.  Divisionsgenerals  Neumayer  an  den  Verf.  —  Rumi
==  Römer  genannt)  ;  dagegen  ist  jede  Spur  der  römischen  Bevölkerung
verschwunden.  —  »Kinder  von  Europäern,  in  den  europ.  Niederlassungen ­
  an  der  Westküste  von  Afrika  geboren,  erreichen,  bleiben  sie
an  dem  Orte  ihrer  Geburt,  selten  das  zehnte  Ijebensjahr.«  —  Auf  den
Antillen  finden  wir  dieselbe  Erscheinung  (s.  Dr.  Clemens  a.  a  O.).
Den  Einwanderern  ist  also  in  der  Regel  die  Möglichkeit  abgeschnitten,
wenigstens  ihren  Kindern  eine  glückliche  Zukunft  zu  bereiten.  —  Ein
dem  mitteleuropäischen  wenigstens  ähnliches  Clima  ist  es,  was  die
Auswanderung  nach  den  nördlichen  und  westlichen  der  Vereinigten  Staaten ­
  vor  jedem  anderen  Colonisationslande  empfiehlt,  obwol  auch  dort
die  Sterblichkeit  unter  den  Eingewanderten  noch  immer  unzweifelhaft
grösser  ist,  als  in  der  Heimath.  Eigentlich  vermögen  wir  gar  nicht  zu
ermessen,  wie  sich  die  somatischen  Verhältnisse  der  europäischen
Stämme  in  Amerika  gestalten  würden,  ohne  deren  unausgesetzte  Erneuerung ­
  durch  frische  Einwanderer.  Die  Wahrnehmungen  Dcsor’s
scheinen  auf  eine  Abnahme  der  Kräftigkeit  bei  den  älteren  Ansiedlern
zu  deuten,  und  wir  möchten  die  Frage  zu  besonderer  Untersuchung
empfehlen.
Die  Erfahrung  zeigt  in  einem  analogen  Falle,  dass  die  Thierarten
in  der  Regel  da  am  besten  gedeihen,  wo  die  Natur  sie  entstehen  liess.
Verpflanzung  ist  meistens  mit  wesentliehen  Nachtheilen  verbunden.
Gleichwohl  zeigen  sich  sehr  entschiedene  Ausnahmsfälle.  Auf  Neuholland ­
  gab  es  früher  keine  Schafe,  und  doch  gedeihen  diese  Thiere,  nachdem ­
  man  ihre  Art  dahin  verpflanzt  hat,  aufs  Allervortrefilichste.  Aehnlich
  kann  es  mit  einzelnen  Menschenstämmen  bezüglich  einzelner  Länder ­
  sich  verhalten.  Dies  scheint  wirklich  der  Fall  in  einigen  Gebieten
der  südlichen  Halbkugel.  Die  Sterblichkeit  unter  den  Soldaten  betrug
nach  den  letzten  Angaben:  auf  dem  Cap  12  vom  Tausend,  auf  St.  Helena ­
  10,6,  Neu-Seeland  9,1,  Tasmanien  7,8.  —  Nach  den  auf  dem
statistischen  Congresse  zu  London  I860  von  den  Vertretern  Australiens
gemachten  Angaben  zählte  man  in  den  verschiedenen  Colonien  je  auf
1000  Einwohner:
            
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