Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

546

Anhang.  Zur  Philosophie  der  Statistik.

England)  ;  unter  andern  Verhältnissen  sinkt  die  Zahl  der  Jahre  auf  25
herab  (z.  B.  in  Liverpool,  Manchester).  Bleiben  die  Zustände  die  nemlichen,
  so  wird  das  Leben  kommender  Generationen  die  gleiche  Ziffer
aufweisen,  ebenso,  wie  unter  gleichen  Windstrichen  die  Wellen  des
Oceans  nach  wie  vor  in  der  nemlichen  Zahl  an  den  Küsten  sich  brechen
werden.
Da  es  in  die  Hand  der  Menschen  gegeben  ist,  die  Zustände  des
Lebens  zu  modificiren,  so  besitzen  sie  auch  die  Macht,  den  Lauf  der
menschlichen  Handlungen  innerhalb  gewisser  Grenzen  zu  ändern.  Verbessern ­
  wir  die  socialen  Zustände,  so  weit  solches  im  Bereiche  der  Möglichkeit ­
  liegt,  so  werden  wir  bald  Erfolge  wahrnehmen,  die  weit  über
alle  anfangs  gehegten  Erwartungen  hinausreichen.  —  Nicht  die  Lehre
des  Fatalismus,  sondern  im  Gegentheil  die  der  menschlichen  Perfectibilität
  erhält  durch  die  Statistik  eine,  und  zwar  eine  unerschütterliche
Stütze.
Es  gibt  somit  keine  Wissenschaft,  welche  bei  dem  Streben  nach
Verbesserung  aller  menschlichen,  aller  socialen  Verhältnisse  einen  gleich
sichern  und  gleich  verlässigen  Leitfaden  gewähren  kann,  wie  die  eben
genannte.  Sie  zeigt  zunächst  die  W^irkungen  mit  mathematischer  Bestimmtheit; ­
  sie  ermöglicht  nicht  nur,  sondern  sie  fordert  auf  zum  Erforschen ­
  der  Ursachen  dieser  Erscheinungen,  und  bietet  Mittel  zum
Ergründen  der  hier  maasgebenden  Gesetze.  Auf  der  von  ihr  gesicherten
festen  Basis  ist  zunächst  zu  ermessen,  nach  welchen  Punkten  die  Anstrengungen ­
  zu  richten  sind,  um  die  menschlichen  Zustände  zu  vervollkommnen ­
  und  zu  verbessern.  Der  Forscher  sieht  sich  dabei  nicht  mehr
darauf  beschränkt,  von  blos  individuellen  und  vagen,  für  das  Ganze  unzuverlässigen ­
  W^ahrnehmungen  auszugehen,  woraus  bisher  so  viele  und
nicht  selten  so  schwere  Irrthümer  und  Fehlgriffe  entsprangen.
Wie  in  der  physischen,  so  bleibt  in  der  socialen  Welt  keine
Ursache  ohne  die  entsprechende  Wirkung.  Jede  Veränderung  in  den
Sitten,  den  Gewohnheiten,  der  Gesetzgebung  eines  Volkes  ruft  entsprechende ­
  Folgen  hervor.  Stets  macht  sich  dann  noch  weiter  eine  Rückwirkung ­
  auf  andere  Zustände  und  Verhältnisse  geltend.  Nichts  bleibt
in  dieser  Hinsicht  allein  und  isolirt.  Verbessert  eure  Felder,  und  ihr
werdet  damit  nicht  blos  den  auf  denselben  anzubauenden  Pflanzen  ein
besseres  Gedeihen  sichern,  sondern  ebenso  den  von  diesen  Pflanzen  ernährten ­
  Thieren,  und  endlich  den  Menschen  selbst,  denen  diese
Thiere  dienen  und  von  denen  sie  leben.  Gerade  so,  wie  hier  in  physischer, ­
  ergeben  sich  in  moralischer  Hinsicht  parallele  Wirkungen  von
einem  Gebiet  auf  das  andere.
»Indem  die  Statistik  den  wahren  Zustand  eines  Landes,  die  Elemente
seiner  Kraft  und  seiner  Schwäche,  seines  Reichthums  oder  seines  Elends
ermittelt,  wird  sie  stets  die  wahrste  und  treueste  Bezeichnerin  der  Weisheit ­
  oder  Schädlichkeit  der  Institutionen  eines  Volkes,  der  Fähigkeit
oder  Unfähigkeit,  der  Würde  oder  Unwürde  seiner  Regierung  sein.  Ganz
besonders  sind  es  die  Sterblisten,  in  denen  diese  Verhältnisse  sich  reflectiren
  und  worin  sie  ihr  Urthcil  finden,  —  ein  unparteiisches,  unwiderlegbares ­
  Urtheil,  dessen  Wahrheit  durch  nichts  getrübt  zu  werden  vermag, ­
  weder  durch  dieSchmeicheleien,  welche  die  Gewalthaber  sooft
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.