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Anhang. Zur Philosophie der Statistik.
England) ; unter andern Verhältnissen sinkt die Zahl der Jahre auf 25
herab (z. B. in Liverpool, Manchester). Bleiben die Zustände die nem-
lichen, so wird das Leben kommender Generationen die gleiche Ziffer
aufweisen, ebenso, wie unter gleichen Windstrichen die Wellen des
Oceans nach wie vor in der nemlichen Zahl an den Küsten sich brechen
werden.
Da es in die Hand der Menschen gegeben ist, die Zustände des
Lebens zu modificiren, so besitzen sie auch die Macht, den Lauf der
menschlichen Handlungen innerhalb gewisser Grenzen zu ändern. Ver
bessern wir die socialen Zustände, so weit solches im Bereiche der Mög
lichkeit liegt, so werden wir bald Erfolge wahrnehmen, die weit über
alle anfangs gehegten Erwartungen hinausreichen. — Nicht die Lehre
des Fatalismus, sondern im Gegentheil die der menschlichen Perfecti-
bilität erhält durch die Statistik eine, und zwar eine unerschütterliche
Stütze.
Es gibt somit keine Wissenschaft, welche bei dem Streben nach
Verbesserung aller menschlichen, aller socialen Verhältnisse einen gleich
sichern und gleich verlässigen Leitfaden gewähren kann, wie die eben
genannte. Sie zeigt zunächst die W^irkungen mit mathematischer Be
stimmtheit; sie ermöglicht nicht nur, sondern sie fordert auf zum Er
forschen der Ursachen dieser Erscheinungen, und bietet Mittel zum
Ergründen der hier maasgebenden Gesetze. Auf der von ihr gesicherten
festen Basis ist zunächst zu ermessen, nach welchen Punkten die An
strengungen zu richten sind, um die menschlichen Zustände zu vervoll
kommnen und zu verbessern. Der Forscher sieht sich dabei nicht mehr
darauf beschränkt, von blos individuellen und vagen, für das Ganze un
zuverlässigen W^ahrnehmungen auszugehen, woraus bisher so viele und
nicht selten so schwere Irrthümer und Fehlgriffe entsprangen.
Wie in der physischen, so bleibt in der socialen Welt keine
Ursache ohne die entsprechende Wirkung. Jede Veränderung in den
Sitten, den Gewohnheiten, der Gesetzgebung eines Volkes ruft entspre
chende Folgen hervor. Stets macht sich dann noch weiter eine Rück
wirkung auf andere Zustände und Verhältnisse geltend. Nichts bleibt
in dieser Hinsicht allein und isolirt. Verbessert eure Felder, und ihr
werdet damit nicht blos den auf denselben anzubauenden Pflanzen ein
besseres Gedeihen sichern, sondern ebenso den von diesen Pflanzen er
nährten Thieren, und endlich den Menschen selbst, denen diese
Thiere dienen und von denen sie leben. Gerade so, wie hier in physi
scher, ergeben sich in moralischer Hinsicht parallele Wirkungen von
einem Gebiet auf das andere.
»Indem die Statistik den wahren Zustand eines Landes, die Elemente
seiner Kraft und seiner Schwäche, seines Reichthums oder seines Elends
ermittelt, wird sie stets die wahrste und treueste Bezeichnerin der Weis
heit oder Schädlichkeit der Institutionen eines Volkes, der Fähigkeit
oder Unfähigkeit, der Würde oder Unwürde seiner Regierung sein. Ganz
besonders sind es die Sterblisten, in denen diese Verhältnisse sich reflec-
tiren und worin sie ihr Urthcil finden, — ein unparteiisches, unwider
legbares Urtheil, dessen Wahrheit durch nichts getrübt zu werden ver
mag, weder durch dieSchmeicheleien, welche die Gewalthaber sooft