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den allerseltensten Fällen, nur wenn die Glieder der Nation
durch ein stärkeres Band verbunden werden, als die Sprache es
darbietet, etwa durch eine besondere Stammesreligion, geht mit
der Sprache nicht das Nationalbewußtsein und die Nationalität
selbst verloren. Unter den Deutschen giebt es augenscheinlich
kein stärkeres Bindemittel als die Sprache; daher ist zur Er.
Haltung des deutschen Nationalbewußtseins die Erhaltung der
deutschen Sprache unbedingt erforderlich.
In ganz anderer Weise noch dient die Sprache dazu, tas
natürliche Band zwischen den zu derselben Nation gehörenden
Menschen zu stärken und zu kräftigen. In den Wendungen,
dem Satzgefüge, den Bezeichnungen jeder Sprache verbirgt sich
ein äußerst reicher Gedankeninhalt, welchen schon das Kind un-
bewußt in sich aufnimmt, und daher erzeugt die Gemeinsamkeit
der Sprache ganz von selbst eine gewisse Gemeinsamkeit der
Denkrichtung, die wiederum durch den Gegensatz gegen
Andersdenkende das Gefühl der Zusammengehörigkeit unter den
Gliedern der Elation verstärkt. In weit höherem Maße jedoch als
durch die bloße Sprache wird diese Gemeinsamkeit der Denkrich-
tung hervorgerufen durch dasjenige, was der Sprache erst den
eigentlichen Werth und ihre Würde verleiht, durch die nationale
Literatur. Die Literatur eines Volkes, zu welcher selbstver.
stündlich in unserem Sinne auch dessen mündliche tteberlieferun-
gen zu zählen sind, ist gleichsam die Aufspeicherung der wahrend
seines ganzen Daseins vollendeten Geistesarbeit, sein geistiges
Kapital, welches gut angelegt ihm die reichsten Zinsen trägt.
Sie ist die gemeinsame BildungSquclle aller derjenigen, welche
die gleiche Sprache reden, sie flößt diesen eine gemeinsame Ge
schmacksrichtung. gemeinsame Joeen ein, sie erhält und veredelt
den Nationalcharakter und erhöht, was damit unzertrennlich ver.