i Ökonomische Bedingtheit.
Waldbesitzer traten dem Verein nur in der verhältnismäßig geringen Zahl von rund
400 Mitgliedern bei, und die Bemühungen des Deutschen Forstvereins, daß sein „Forst-
wirtschaftsrat“ als Vertretung des gesamten deutschen Forstwesens beim Reich anerkannt
wurde, hatten nicht den geringsten Erfolg.
Vom Jahre 1899 bis 1917 bildeten sich nur der „Rheinische Waldbesitzerverein“,
der „Nordwesstfälische Waldbesitzerverein“, der „Osstwestfälische Waldbesiterverein“ und
der „Sauerländische Waldbesitzerverein“, welche im Jahre 1902 entstanden und sich zu
einem Verbande, dem „Verb and der Waldbessitzervereine West-
falens und Rheinland s“ zusammenschlossene. – Dem Deutschen Forsstverein
fehlte es sowohl an dem Unterbau, an der genügenden Beteiligung des Waldbesitzes als
auch an der Anerkennung beim Reich; es fehlte aber auch sowohl an der N o t der Wald-
besißer, welche zur Organisation zusammenhämmerte, als auch an dem Bedürfnis
der Reichsregierung nach allseitiger forstlicher Beratung . . . Die Not des Krieges änderte
die Sachlage. Auch auf forstwirtschaftlichem Gebiete war man nicht gerüstet gegenüber
dem völlig veränderten Verbrauch und Verkehr in den Kriegsjahren. Die Reichsleitung
mußte mit rauher Hand und scharfem Zwange auch in die Wirtschaftsführung der Privat-
waldbesitzer eingreifen; die Waldbesiter brauchten nun plötzlich eine Vertretung beim
Reich, die Reichsregierung, der durchaus daran gelegen war, diese Eingriffe in der
mildesten und zweckmäßigsten Form vorzunehmen, brauchte beratende Mitarbeit aller
forstlichen Organisationen. – Diesen Zeitpunkt erfaßte in rechter Weise Regierungs-
direktor Dr. W a pp e s - Speyer . . . Er gründete bei dem Forstwirtschaftsrate des
Deutschen Forstvereins eine „G es ch äf t s stelle für kriegswirtschaftliche
Angelegenheiten“, die sich den Reichsstellen zur forstlichen Beratung zur Ver-
fügung stellte. Je länger jedoch diese Geschäftsstelle tätig war, desto mehr zeigien sich
die Mängel ihres eiligen Aufbaues. Die Forstbeamten, welche in überwiegender Mehr-
heit den Deutschen Forstverein bildeten, sahen mit einigem Unwillen, wie die Geschäfts-
stelle ihres Vereins zu einer einseitigen Interesssenvertreung des Privatwaldbesitzes
wurde; die Vertreter der Staatsforstverwaltung erblickten in der forstlichen Beratung
der Reichsstellen durch eine private Körperschaft eine unliebsame Konkurrenz, und die
Geschäftsstelle selbst stand mit ihren wenigen Mitgliedern allein auf sich angewiesen da,
ohne in einer verzweigten Unterorganisation Stütze und Anhalt zu finden. Nur die
dringende Not des Vaterlandes konnte diesen Zustand schaffen und erhalten. Sobald
diese Not wich, mußte eine andere Organisation an ihre Stelle treten . . O Die aus-
brechende Revolution hinderte anfangs auch die Fortsetzung der forstlichen Organisations-
arbeiten. Dann erhielt die Neigung zum Zusammenschluß der Waldbesitzer aber gerade
aus den Vorgängen in und nach der Revolution neue Nahrung; handelte es sich doch jetzt
um die gesamte Existenz der privaten Forstbetriebe. Es bildete sich deshalb ein ein-
mütiger Wille der Waldbesitzer zum engen Zusammenschluß, und die Organisation, die
so lange Jahre hindurch kaum hatte Fortschritte machen können, vollzog sich jetzt fast
von selbst. überall wurden Waldbessitzerverbände gegründet, und am 21. Juni 1919 erfolgte
auch die Gründung einer Spitzenorganisation aller Waldbesitzerverbände, des „Re i ch s -
verbandes deutscher Waldbessitzerverbänd e“.
Die Organisation des Waldbesitzes in ihrer heutigen Gestalt ist aus Tafel [] des
Anhanges zu ersehent!).
1) Vgl. auch „Der deutsche Forstwirt“, 1926, Nr. 63.