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Insbesondere bei der Classe der Unternehmer und
Capitalisten wird zu dem unausbleiblichen Rückschläge, den
die Schwankungen des Geldwerths in der Bedürfnisssphäre mit
sich bringen, noch die directe Verlockung zu unwirtbschaft-
licher Verwendung des Capitals und der Unternehmerthätigkeit
treten. Auch in den Rändern mit Metallvaluta ist es eine
bekannte Thatsache, dass immer, wenn auf eine Zeit hoch
gespannter wirthschaftlicher Regsamkeit eine Epoche der
Reaction folgt, in welcher Capital und Arbeit durch längere
Zeit geringe Rente ab werfen, die Gemüther in unwidersteh
licher Weise zu waghalsigen Speculationen gereizt werden.
Der Capitalist, der seine Rente durch den Stillstand aller
Geschäfte übermässig verkürzt sieht, der Unternehmer, der
keine Gelegenheit findet, seine Thätigkeit zu verwerthen, sie
beide werden endlich begierig und ohne gewissenhafte Prüfung
nach allem Neuen greifen, das ihnen nach längerer Entbeh
rung endlich wieder höheren Gewinn in Aussicht stellt. Nach
Epochen wirthschaftlicher Stagnation folgen Epochen der
Ueberspeculation und des Schwindels — das ist eine allge
meine, übeiall beobachtete Erscheinung. Während aber unter
normalen Verhältnissen der Uebergang von wirthschaftlicher
Regsamkeit zu wirthschaftlicher Stagnation nur nach längeren
Zwischenräumen und als Eolge allgemein wirkender Ursachen
eintritt, kehren in den Ländern mit Papiervaluta solche Ueber-
gänge in raschem Wechsel wieder. Dazu kommt noch, dass
die Bevölkerung in einem Papiergeldlande ganz ohne ihr Da-
zuthun, ja oft wider ihren Willen foitwährend zu waghalsigen
Speculationen ganz besonderer Art gezwungen wird. Jeder
Besitzende in einem solchen Lande ist Valutaspeculant, also
genöthigt,, ein Spiel mitzumachen, von dem er in der Regel
nichts versteht, ja dessen Wirkungen er häufig gar nicht
verspürt. V er Geld oder Geldrente besitzt, wird hier bei
steigendem Disagio stets verlieren, bei sinkendem Disagio
gewinnen, und so wenig ihm dies auch sofort deutlich werden
mag, es wird endlich doch insofern zu Jedermanns Bewusst
sein gelangen, als unmöglich verborgen bleiben kann, dass bei
hohem Agiostande nach Bestreitung der Lebensbedürfnisse
eine geringere, bei niedrigem Stande des Disagio eine höhere
Summe von Ersparnissen erübrigt werden muss. Der Besitzer
Ur. Tli. Hertzka, Währung und Handel. 13