Full text: Währung und Handel

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gezwungen werden, liebgewordenen Bedürfnissen zu entsagen, 
im höchsten Grade geneigt, das Gewagteste zu unternehmen, 
um diese Nothwendigkeit von sich ahzuwehren. In den Ländern 
mit schwankender Papierwährung geräth hei jedem Sinken 
des Papierwerthes die grosse Masse der Bevölkerung in eine 
derartige Lage und die fortgesetzte Versuchung untergräbt 
endlich auch in den Massen die Freude an der ehrlichen 
Arbeit, deren Lohn so unsicher und schwankend ist. 
Es verdient, ganz abgesehen von diesem Einflüsse gestörter 
Geldverhältnisse auf die active wirthschaftliche Thätigkeit, 
auch die Störung der Consumtionsverhältnisse in Folge der 
selben Ursache besondere Beachtung. Lehrreich ist, was Julius 
Faucher in seiner Vierteljahrsschrift für Volksmrthschaft und 
Culturgeschichte (Band 23 und 24) in seiner bekannten geist 
reichen Methode über dieses Thema geschrieben. Er untersucht 
den Einfluss der Valutastörung auf die Verschiebung des Preis 
verhältnisses der einzelnen V^aaren und Dienstleistungen unter 
einander, indem er zeigt, dass bei einem raschen Wechsel der 
Wohlständigkeit in breiten Gesellschaftsschichten die verschie 
denen Bedürfnisse je nach ihrer Expansivkraft und Compressi- 
bilität eine wesentliche Veränderung durchmachen. „Indem die 
künstliche Vermehrung der Zahlmittel znächst die Nachfrage 
vermehrt, kann sie doch nur nach Massgabe der Expansivkraft 
des einzelnen Bedürfnisses vermehren, welches im Verein mit 
den Zahlmitteln hinter der Nachfrage steht. Ebenso wie das Be- 
dürfniss keine Nachfrage erzeugt, sowie die Zahlfähigkeit fehlt, 
erzeugt auch die Zahlfähigkeit keine Nachfrage, soweit das Be- 
dürfniss fehlt .... Nun ist die Expansivkraft des Bedürfnisses 
— des gewohnheitlichen und des conventioneilen Bedürfnisses, 
zu welchen das natürliche Bedürfniss im Fortschritte der Cul- 
tur anschwillt, eben dadurch die Cultur bildend — ein sehr ver 
schiedenes, schon wenn nur diejenigen Bedürfnisse herangezogen 
werden, welche in die grosse Dreitheilung Nahrung, Kleidung, 
Wohnung sich einfügen lassen. Das Nahrungsbedürfniss besitzt 
z. B. schon im Allgemeinen weniger Expansivkraft als das 
Kleidungsbedürfniss und dieses besitzt wieder weniger als das 
Wohnungsbedürfniss .... Auf dem Gebiete der Nahrungs 
mittel ordnen sich die Unterschiede der Expansivkraft des Be 
dürfnisses und in Folge dessen des Verbrauches derart, dass
	        
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