Full text: Währung und Handel

Production erhalten bleibt; aber für das entliehene Capital 
werden eben die Zinsen in’s Ausland wandern, während bei 
der Notenemission dasselbe Capital zinslos bereingezogen wird, 
ohne dass im Austausch dafür etwas anderes gegeben zu 
werden brauchte, als der Bestand metallischer Circuí a- 
tionsmittel, deren Function nunmehr die Papierzettel über 
nehmen. 
Dieser anscheinend unwiderlegliche Vorth eil für die 
Staatsfinanzen wird aber für’s erste schon dadurch paralysirt, 
dass die Schuldenlast, in welche sich ein Staat durch die Zettel- 
ausgahe stürzt, in ihrer absoluten Höhe ohne Ausnahme jene 
Schuldenlast weitaus überragt, die durch die Aufnahme eines 
verzinslichen Anlehens entstünde. Wenn der Staat im letzteren 
Falle seinen (Häubigern jene Zinsen bewilligt, denen er sich 
nach seinen Creditverhältnissen unterwerfen muss, so wird er 
den vollen Betrag der Darlehenssumme auch wirklich und im 
guten (reble erhalten. Verlangt man beispielsweise 5 Percent 
Zinsen von ihm und erreicht der durch das Anlehen zu 
bedeckende Bedarf die Höhe von beispielsweise 2(X) Millionen, 
so ward der Staat für 2(X) Millionen üpercentiger (Obligationen 
2(M) Millionen in Metallgeld erhalten und mit diesem Be 
trage seine Bedürfnisse vollständig befriedigen können. Emit- 
tirt er jedoch Stuatsnoten, so wird diese Emission, je weiter 
sie fortichreitet, den Werth der Greldzeichen desto intensiver 
drücken; der Staat wird, um einen Bedarf von 2(K) Millionen 
eüectiven Geldes zu decken, nicht 2(M.) Millionen, sondern 
250 Millionen, vielleicht 300 Millionen Zettel cmittiren müssen, 
und folglich statt 200 Millionen, 250 Millionen oder 300 Mil 
lionen schuldig geworden sein. Es wird nun davon ahhängen, 
ob bis zur Rückzahlung der Notensohuld eine kürzere oder 
längere Zeit verstreicht, um die Frage zu entscheiden, ob der 
Staat am Coursverluste bei der Ausgabe seiner Zettel mehr 
verliert, als er an Zinsen erspart hat, oder ob umgekehrt die 
Summe der Zinsenersparnisse grösser wird als die der Cours 
verluste. Denn die Noten müssen, falls nicht etwa ein Staats 
hankrott den Knoten entzweihaut, zum vollen Nennwert!)e 
eingelöst werden, trotzdem bei der Emission derselben und 
beim Eintausche jener Bedürfnisse, welche die Emission hervor 
gerufen haben, die Zettel nur gegen einen (’oursverlust ange- 
Dr. T h. H e r t z k a , Wähnmg und Handel. 14
	        
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