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Genüsse und Bedürfnisse Iiinzugekominen, und selbst die
uralten, soweit die menselilielie Erinnerung zurüekreielit, als
sülelie vorhandenen Erfordernisse des Lebens haben sieh ver
feinert und coniplicirter gestaltet. Es wäre also sehr wohl
niöglieh, dass man sich mit einem Pfund Gold aueh heute noch
dasselbe versehaffen könnte, was vor 1()(K) Jahren dafür zu
erhalten war, dass aber die nämlichen Güter, deren Besitz \oi
Generationen glücklich, zufrieden, ja reich machte, heute
selbst den Wünschen des ärmsten Bettlers nicht zu genügen
vermöchten. Aber für den vorliegenden Zweck ist die Spaltung
der Era ge nach diesen zwei Seiten ganz überflüssig, üb man
mehr Gold braucht, weil das Edelmetall selbst werthloser
geworden, oder ob dies blos aus dem Grunde geschieht, weil
die Bedürfnisssphäre gestiegen ist, ändert doch nichts an dei
Thatsache, dass nunmehr in den Händen der civilisirten
Menschheit 10 Pfund Gold nicht denselben Dienst verrichten,
wie 1 Pfund Gold in den Händen unserer Urahnen. Und
ebenso wenig kann diese im allgemeinen geschichtlichen Ver
laufe beobachtete Erscheinung in ihrer Richtigkeit dadurch
alterirt werden, dass ausnahmsweise auch in früheren Epochen
der Edelmetallvcrrath an bestimmten Orten dermassen gehäuft,
die Bedürfnisse derart verfeinert wurden, dass die absolute
oder relative Kaufkraft des Geldes damals schon eine ähnliche
Reduction erfuhr, wie gegenwärtig. Im alten Rom z. B. ei -
reichte die Theuerung nachgerade beinahe dieselbe Höhe, wie in
irgend einer modernen Grossstadt. Aber die unmittelbare 1 elge
davon, war auch dort, dass das Silbergeld selbst für den all
täglichen Verkehr zu unbequem wurde, dass das Gold das eigent
liche Circulationsmetall bildete und dass man schliesslich, als
auch dieses zu schwerfällig wurde, den Credit zu Vermitt
lung von Zahlungen benützte. In ganz ähnlicher Weise kann
aueh die rasche Entwicklung der Creditgeschäfte aller Formen
während der letzten Jahrhunderte durch die steigende Un
bequemlichkeit, die der Gebrauch des Metallgeldes mit sich
brachte, theilweise erklärt werden. Die Banknote z. B. war
entbehrlich in früheren Jahrhunderten ; sie ist heute eine uner
lässliche Nothwendigkeit geworden. Da es keinen kostbareren
StoflP als die Edelmetalle gibt, der sich kraft seines inneren
Werths zum Tauschmittel für grössere Transactionen eignen