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(las Silber, welches im Preise sank, und zwar langsamer,
wenn seine Production in massigen (Grenzen blieb, stärker,
wenn es diese Grenzen überschritt?
Alle Gründe sprechen für das Letztere. Es ist vor
Allem otfenbar, dass auch der Goldwerth im Laufe der Jahr
hunderte nicht absolut stieg, sondern olfenbar gefallen ist,
Wohl kauft man heute für ein Pfund Gold mehr Silber als
vor J und 4 Jahrhunderten, aber man kauft weniger von der
weitaus grössten Mehrzahl aller anderen Waaren dafür. Es
sind also Gold und Silber zugleich in ihrer Tauschkraft zu
rückgegangen, nur allerdings das Silber weit bedeutender als
das Gold. Diese Thatsache, die wohl schwerlich bestritten
werden dürfte, genügt für’s erste vollkommen zu Erbringung
des Beweises, dass im säcularen Verlaufe die Kaufkraft des
Goldes stationärer geblieben sei, als die des Silbers.
Dass dem aber so ist, dürfte im Folgenden seinen Grund
haben :
Die fortschreitende Production beider Edelmetalle, und
die damit Hand in Hand gehende Entwerthung beider, drängte
stets fühlbarer zum Gebrauche des Goldes zu Geldzwecken ;
beim Golde stand daher der Entwerthung ein stets wachsender
Gebrauchswerth entgegen, während die durch das Productions-
verhältniss bedingte Entwerthung des Silbers noch durch das
Abnehmen des Gebrauchswerthes zu Circulationszwecken be
schleunigt wurde. Diese Disparität in der Entwicklung der
Werthrelation hätte noch viel schrotfer hervortreten müssen,
wenn Ostasien mit seinem ausschliesslich auf Silber gerich
teten Bedürfe dem abendländischen Angebote nicht entgegen
gekommen wäre. Von den Ursachen dieses ostasiatischen Be
darfes soll späterhin noch ausführlicher gesprochen werden.
' Doch kann. es offenbar a priori keinem Zweifel unterliegen,
dass für den Fall, als die ostasiatischen Länder bezüglich
ihrer Aufnahmsfähigkeit den Edelmetallen gegenüber die
selben Verhältnisse zeigen würden, wie das Abendland, d. h.
wenn auch bei ihnen das Bedürfniss nach Gold mehr und
mehr gestiegen, das Bedürfniss nach Silber mehr und mehr
in den Hintergrund getreten wäre, der Werthabstand beider
Edelmetalle heute voraussichtlich ein noch weitaus höherer
geworden wäre, als es thataächlich der Fall ist.