Nun ist die rroduütiüii beider Edelmetalle in fortschrei
tender Progression begritfen; physikalische und geographische
Entdeckungen trugen gleichmässig dazu bei, diese Production
zu erleichtern und zu vermehren. In je ausgiebigerem ]\Iasse
(lies aber geschieht, je mehr sich also beide Edelmetalle zugleich
(Mitwerthen, desto mehr verringert sich der (lebrauchswerth
des Silbers und steigt nothvvendigervveise der Gebrauchswerth
des G(ddes, da für jenes Bedürfniss, um dessen Befriedigung
es sich hier handelt, nämlich für das Circulationsbedürfnlss,
blos die Wahl zwischen Gold und Silber offen steht. Das In
teressanteste dabei ist, und zugleich jenes ^Moment, auf w(d-
cdes bei Beantwortung der vorliegenden Frage die grösste
Aufmerksamkeit gewendet werden muss, dass auf diesem
Wege selbst eine einseitige Steigerung der Goldproduction
dazu beitragen könnte, den Gebrauchswerth des Silbers
zu ermässigen, den des Gcddes zu steigern. Jedes neu ausgt
prägte Geldstück, gleichviel ob es aus Silber oder G(dd be
stehen ■ mag, vermehrt den Geldvorrat!! der Welt, erniedrigt
unter sonst gleichbleibenden Verhältnissen die Kaufkraft des
Geldes, macht also die Silbermüiizen stets unhandlicher, den
Gebrauch des Goldgeldes stets noth wendiger. Und so ist es (leim
durchaus nicht so absurd, als es auf den ersten Blick scheinen
mag,,dass gerade der kolossale Goldzufluss des letzten Viertel
jahrhunderts, trotzdem sich der Silbervorrath in der letzten
Zeit kaum wesentlich vermehrt hat, nicht das Bedürfniss nach
Gold, sondern nach Silber verminderte. Vor 25 Jahren waren
in Europa und Amerika keine G Milliarden Goldgulden in
Circulation, heute sind es mehr als 12 Milliarden; die Silber-
circulation ist auf derselben ungefähren Höhe von H IMilliarden
geblieben, und doch wird das Silber stets lästiger, das Gold
stets gesuchter. Denn das Ausschlaggebende ist, dass suJi die
Circulation von zusammen nicht ganz 12 Milliarden auf
mehr denn 20 Milliarden gehoben hat, dass also jedes einzelne
Geldstück in seiner Kaufkraft beeinträchtigt wurde, und dass
diese Beeinträchtigung zunächst dem Silber schadet
Und voraussichtlich wird sich dieses Verhältniss dem
Wesen nach gar niemals mehr ändern, sich weit eher mehr
und mehr verschärfen. Ein Umschlag in den l’roductionsver-
bältnissen, der dem Silber nützlich wäre, ist kaum nmglich.