Full text : Währung und Handel

von  Gütern  wäre,  während  der  Gläubiger,  er  mag  noch  so
arm  und  hilflos  sein,  denn  doch  als  lientner  anfznfassen  sei,
und  dass  es  demnach  eine  Begünstigung  der  i)roducirenden
auf  Kosten  der  passiv  verzehrenden  Classen  sei,  wenn  man
die  Schuldner  begünstige.  Laveley  legt  also  im  Gegensätze  zu
\\Olowsky  nicht  auf  das  ])olitische  und  humanitäre,  sondei’ii
auf  das  rein  ökonomische  ]\Iornent  das  Hauptgewicht,  und  wie
uns  scheinen  will,  in  grösserer  Uehereinstimmung  mit  den
Thatsachen.

Oh  aber  dieser  Standpunkt  auch  sittlich  berechtigt  ist,
erscheint  denn  doch  fraglich,  umsomehr,  da  ja  alle  Jene,  die
Darlehen  auf  längere  Zeit  contrahirt  haben,  auch  ohne  das
Dazwischentreten  der  Alternativwährnng  schon  durch  die

Natur  begünstigt  werden.  Denn  angesichts  der  stets  wachsende
Dimensionen  annehmenden  Edelmetallausbeute  ,  wie  nicht
minder  der  steten  Entwicklung  der  (!reditwirthschaft  ist  eine
continuirliehe  säeulare  Abnahme  des  Geldwerthes  heute  noch
mit  grösserer  Sicherheit  vorherzusagen,  als  in  der  Vergangenheit ­
  zu  constatiren.  Es  ist  also  eine  doppelte  Ungerechtigkeit,
die  schon  von  Natur  aus  Begünstigten  noch  künstlich  zu  bevorzugen. ­

Im  Uebrigen  erscheint  auch  die  wirthschaftliche  Berechtigung ­
  einer  solchen  einseitigen  Begünstigung  sehr  fraglich,
denn  die  Gläubicrer,  die  Darlehen  auf  längere  Zeit  bewilligen.

sind  durch  Nichts  verhindert,  sich  schon  im  Vorhinein  für  die
Gefahren  der  Alternation  schadlos  zu  halten.  Ob  eine  derartige
Versicl^erungsprämie  in  den  Doppelwährungshindern  tür  längere ­
  Darlehen  bisher  schon  vorhanden  war,  lässt  sich  für  die
Vergangenheit  unmöglich  nachweisen,  ja  es  ist  dies  sogar  unwahrscheinlich, ­
  denn  die  Gefahren  der  Alternation  waren
bisher  der  Capitalistenwelt  kaum  bewusst.  Für  die  Zukunft
aber,  nachdem  einmal  die  ungeheuerlichen  Werthschwankungen
der  Gegenwaid  dem  Geldmärkte  die  Augen  geöffnet  haben,  ist
mit  der  grössten  Sicherheit  anzunehmen,  dass  die  Alternativwährung ­

  den  Zinsfuss  auf  längere  Darlehen  steigern  müsste.
Laveley  glaubt  allerdings,  dass  eine  Steigerung  des  Zinsfüsses
gerade  durch  den  Monometallismus  eintreten  müsste,  indem
durch  denselben,  wenn  er  allgemein  durchgeführt  wird,  der
Circulationsmittelvorrath  des  Abendlandes  verringert  würde.
            
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