Full text : Währung und Handel

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hier  mehr  als  anderwärts  die  (jefahr,  dass  die  Silberwälirung
  eine  unmässige  Ausdehnung  des  Banknotenunilaufs
  ini  Gefolge  hätte.  Man  hört  allerdings  hie  und  da
flie  Behauptung,  dass  in  Folge  des  durch  ein  Vierteljahr-Iiundert
  geinihrten  Idisstrauens  in  die  Beständigkeit  der
Baarzahlungen  das  österreichische  Publicum  Banknoten  ungern
annehmen  und  jedes  ]\retallgeld  mit  Vorliebe  gebrauchen  würde.
Aber  diese  Behauptung  beruht  auf  einer  vollständigen  Verkennung ­
  des  Wesens  des  Geldumlaufes.  Derlei  Erwägungen
sind  nur  für  denjenigen  massgebend,  der  thesaurirt,  nicht  aber
für  den,  in  dessen  Händen  das  Geld  ein  Instrument  des  Verkehrs ­
  ist,  der  es  empfängt,  um  es  wenige  Tage,  in  der  Regel
sogar  wenige  Stunden  später,  wieder  auszugeben.  Hier  kommt
das  Moment  des  Vertrauens  ganz  und  gar  nicht  in  Betracht.
Vorausgesetzt,  dass  der  Courswerth  der  nämliche  ist,  wird
liier  lediglich  die  Beipiemlichkeit  massgebend  sein,  man  wird
die  Banknote  dem  Silber  vorziehen,  selbst  wenn  Zweifel  in
die  Beständigkeit  der  Baarzahlungen  noch  so  intensiv  und
allgemein  verbreitet  sind.  Die  Circulation  an  Fünf-  und  Zehngnldennoten
  beträgt  in  Oesterreich  durchschnittlich  zwischen
200  und  2i)0  Millionen  Gulden  und  man  wird  nicht  weit  von
dei*  Wahrheit  abweichen,  wenn  man  annimmt,  dass  unge  ta  Indie ­
  Hälfte  dieser  Bestandtheile  des  Zettelumlaufs  unter  der
Herrschaft  der  Goldwährung  verschwinden,  unter  der  Hej-rscbaft
  der  Silberwälirung  dagegen  erhalten  bleiben  müsste.
Es  ist  aber  gerade  für  Oesterreich  und  Ungarn  von
ausschlaggebender  Hedeutung,  dass  die  Notencirculation,  und
«ei  sie  metallisch  noch  so  gut  bedeckt,  auf  ein  gei  inges  Mass
i'edncirt  werde.  Die  Verkehrsverhältnisse  sind  hier  minder
«tabil  als  in  den  höher  entwickelten  Culturstaaten  ;  insbesondere ­
  die  Ackerbaudistricte  der  Monarchie  sind  in  ihrem  Geldliedarfe
  sehr  grossen  Schwankungen  unterworfen.  Sind  es  nun
der  Mehrzahl  nach  metallische  Circulationsmittid,  deren  man
«ich  bedient,  so  regulirt  sich  der  Umlauf  ganz  von  selbst
durch  das  Medium  der  Handels-  und  Zahlungsbilanz  in  Form
des  Zu-  und  Abströmens  der  Edelmetalle.  Ungarn  z.  B.  braucht
•a-i  i-eieber  Ernte  und  im  Palle  lebhaften  Expoi-tes  grosse
V'iantitäten  an  Zahlmitteln;  es  liegt  auf  der  Hand,  dass  es
dieselben  in  einem  sidclien  Palle  auch  erhält,  wenn  die  Zahl-
            
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