Full text : Währung und Handel

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folgenschwersten  Irrthüinern  ansgesetzt,  wie  denn  tliatsächlicli
die  deutsche  l\rünzreibrm  durch  die  auf  diesem  Gebiete  begangenen ­
  Fehler  beinahe  zu  einer  verhängnissvollen  Krisis
geführt  hätte.  *)  Die  Münzaiisprägung  eines  Landes  ist  lange
nicht  gleichbedeutend  mit  dem  noch  vorhandenen  Vorrathe  der
von  ihm  geprägten  ALinzen,  denn  ein  grosser  Theil  dieser
letzteren  ist  jedenfalls  eingeschmolzen  worden.  Niemand  aber
kann  wissen,  in  welchem  Betrage  dies  geschah  und  welcher
lîetrag  noch  in  Münzform  vorhanden  ist.  Aber  auch  dieser
noch  vorhandene  Münzbetrag  ist  wieder  nicht  identisch  mit
dem  Vorrathe  an  Circuíationsmitteln  im  betreffenden  Jjande
selbst,  denn  Idetallmünzen  besitzen  eine  je  nach  ihrer  kosmopolitischen ­
  J^eliebtheit  mehr  oder  minder  grosse  Freizügigkeit.
Die  (Gesetzgebung  eines  Landes,  welches  vom  Silber  zur  (Goldwährung ­
  übergehen  will,  weiss  daher  weder,  wie  viel  sie  an
Silbermünzen  einzulösen  und  folglich  an  (Goldmünzen  zu  prägen
haben  wird,  noch  weiss  sie,  wie  viel  von  diesen  einzulösenden
Silbermünzen  der  (ürculation  des  eigenen  Ijandes  entnommen
sind,  und  wie  viel  etwa  aus  fremden  Verkehrsgebieten  herbeiströmen ­
  können,  und  sie  weiss  daher  auch  umgekehrt  nicht,
wie  viel  von  den  neu  geprägten  (Goldstücken  wieder  im  Austausche ­
  gegen  diese  aus  der  Fremde  einberufenen  Silberstücke
ins  Ausland  strömen  können.
Nun  haben  allerdings  aucli  die  vom  Bapiergeldlande
ge])riigten  Silberstücke  dieselbe  Freizügigkeit;  aber  ihre  Zahl
ist  gering  und  worauf  es  vornehmlich  ankommt,  man  kann  sie
genau  sondern  vom  innern  AVährungsgelde;  man  kann  sich
ihrer  vollständig  bemächtigen,  ohne  die  innere  Circulation  im
geringsten  zu  beengen,  und  das  ist  von  unschätzbarem  volkswirthschaftlichem
  Voiiheile.
Wasspeciell  das  österr.  Silbergeld  anbelangt,  so  schwimmt
dieses  in  Folge  seiner  Verdrängung  aus  Deutschland  so  sehr
au  der  Oberfläche  und  ist  so  sehr  im  Umfange  reducirt,  dass
seine  vollständige  Einberufung,  sei  es  zum  Zwecke  des  Verkaufes ­
  auf  dem  Silbermarkte,  sei  es  zum  Zwecke  der  Aus-])rägung
  vou  neuer  Scheidemünze,  in  jedem  beliebigen  Augen-*)
  Siehe:  „Die  Fehler  der  deutschen  Miinzreform  von  Max  Wirth.“
Ur.  Th.  llertzka,  Währung  und  Handel.  21
            
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