845
Was dagegen die Zahlungsl)ilanz; Oesterreichs anlangt,
so ist diese zuvörderst gar nicht passiv ; sie war es weder vor
dem .Jahre IH4H und ist es ehensowenig auf die Dauer nach
her geworden. AVenn die AVechselcourse nacli 1848 im Dureh-
sehnitte ungünstig wurden, so ist dies, wie im VI. Ca^iitel des
l. Duches nachgewiesen wurde, die Consequenz der Valuta
störungen, nicht aber die der internationalen Zahlungsverhält
nisse, und es ist daher nicht nur die grösste AVahrscheinlich-
keit, sondern geradezu die Gewissheit vorhanden, dass
die Wechselcourse durchschnittlich für Oesterreich wieder
günstig werden müssen, sowie die Valuta hergestellt wird,
u. z. in desto höherem Massç, je vollständiger diese Va
lutaherstellung erfolgt, d. h. je mehr das österreichische
Circulationsmedium mit dem jener Länder in Ueberein-
stimmung gebracht wird, mit welchen dieses Land die lel)-
haftesten Verkehrsbeziehungen unterhält. Im Durchschnitte
gerade der letzten Jahre waren übrigens, wie im selben
(hipitel ersichtlich gemacht wurde, die AVechselcourse sogar
tiotz dei Valutastörung absolut günstig und die Erwartung,
dass sich diese Gunst noch steigern wird , erscheint daher
do])pelt gerechtfertigt.
Doch selbst wenn die Zahlungsbilanz thatsächlieh un
günstig sein sollte, wäre es doeh durchaus absurd, aus diesem
Grunde ein Abströmen der Goldmünzen in dem Alasse zu be
sorgen, dass dadurch die innere Circulation gestört werden
könnte. Wenn bei Durchführung der Alünzreform mehr Gold
stücke ausgeprägt und dem Verkehre übergeben werden sollten,
als dem Dedürfnisse desselben entspricht, dann wird allerdings
Geld abströmen, u. z. wird dies sicherlich nicht etwa mit den
im Verkehre noch vorhandenen Noten, sondern ganz ausschliess
lich mit dem Golde geschehen ; und wenn man etwa den Ver
such machen wollte, mehr oder auch nUr so viel Goldmünzen
in Verkehr zu bringen, als demselben an Noten gleichzeitig
entzogen wird, so kann sogar mit grösster Sicherheit darauf
gerechnet werden, dass ein derartiges partielles Abströmen
stattfinden muss. Die Auswanderung der deutschen Goldmün
zen in den Jahren 1874 und 1875 war eben dadurch her-
vorgeruten , dass diese ohne vorherige oder gleichzeitige
Verringerung des Umlaufes von Silber- und Banknoten, ja bei