Full text : Währung und Handel

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absenden,  oder  dass  die  international  reichen  Länder  mehr
Waaren  absetzen  als  beziehen  ;  auch  dies  geschieht  nur  dann,
wenn  das  arme  Land  im  Auslande  Schulden  contrahirt  und
folglich  einen  Theil  seiner  Waarenbezüge  durch  Effectejisendungen
  deckt,  und  wenn  das  reiche  Land  dem  Auslande  Capital ­
  vorstreckt  und  folglich  für  einen  Theil  seiner  Waarensendungen
  Effecten  bezieht.  Also  auch  die  reine  Waarenbilanz  ist
nicht  günstig  oder  ungünstig  für  die  international  reichen  oder
armen  Länder,  sondern  für  die  Capital  verleihenden  oder  ausleihenden, ­
  zwei  Begriffe,  die  einander  häufig,  aber  durchaus
nicht  immer  decken.  Die  Waarenbilanz  eines  Landes  kann
vielmehr  gerade  aus  dem  Grunde  seiner  internationalen  Schuldverhältnisse ­
  günstig  sein  für  das  arme  verschuldete,  ungünstig
für  das  reiche,  nämlich  dann,  wenn  das  arme  Land  keine
neuen  Schulden  contrahirt,  sondern  die  Zinsen  der  alten
abträgt  und  wenn  das  reiche  kein  neues  Capital  verleiht,  sondern ­
  die  alten  Schuldposten  und  Zinsen  aus  irgend  welchem
Grunde  einzieht.  Schliesslich  kann  ein  Land  ausserordentlich
arm,  dem  Auslande  aber  nicht  einen  Heller  schuldig  sein,  und
umgekehrt  ein  Land  sehr  reich  sein,  ohne  sonderlich  viele
Forderungen  im  Auslande  zu  besitzen;  denn  die  Frage  der
Schuldverhältnisse  hängt  nicht  blos  vom  Keichthume,  sondern
auch  vom  ITnternehmungsgeiste  ab.  Wenn  die  Gelegenheit  zu
nutzbringenden  Unternehmungen  und  die  Unternehmungslust
der  Einwohner  gross  ist,  können  Schulden  contrahirt  werden,
selbst  bei  verhältnissmässig  hohem  Wohlstände  ;  ebenso  wie
umgekehrt  bei  mangelnder  Unternehmungslust  und  Arbeitsgelegenheit ­
  selbst  bei  relativ  geringerem  Reichthume  die  Guthaben ­
  im  Auslande  einen  relativ  bedeutenden  Umfang  erlangen ­
  können.  Die  Vereinigten  Staaten  von  Nordamerika  sind
sicherlich  unermesslich  reicher  als  Patagonien,  sie  sind  aber
trotzdem  in  Europa  sehr  stark  verschuldet,  während  Patagonien, ­
  soweit  bisher  bekannt,  keine  VerpHiclitnngen  im  Auslande ­
  hat;  ebenso  dürfte  Oesterreich-Ungarn  um  ein  Vielfaches
reicher  sein,  als  das  ihm  benachbarte  Serbien,  seine  Schulden
an's  Ausland  aber  sind  unendlich  grösser  als  die  Serbiens.
Und  auch  in  demselben  Lande  ist  wachsende  Verschuldung
an’s  Ausland  nicht  immer,  ja  nicht  einmal  in  der  Regel,
gleichbedeutend  mit  abnehmendem  Wohlstände;  weit  eher,  wenn
            
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