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Ein Körnchen Wahrheit ist aber allerdings auch in dieser
Befürchtung vor dem Abströmen der Goldmünzen. Gold ist
in der That beweglicher als Silber ; es wandert, wenn die
Korn oder Wolle ist. Ebenso wie ein Land oder eine einzelne Person sehr
rcdch an A\ olle und Korn, deswegen aber noch immer sehr arm sein kann,
ebenso können Privatpersonen oder ganze I^inder verhältnissmässig reich an
Geld und doch in tiefe Armnth versunken sein. Man betrachte einmal die
l’rodnctionsdistricte der Edelmetalle; dieselben sind sicherlich geldreich im
höchsten Grade, gehören aber zum Theil ebenso unzweifelhaft zu den ärmsten
von den Menschen überhaupt bewohnten Gerieten der Erde. Sie sind so
arm, dass sie nicht einmal das nothwendige Capital auftreiben können, um
die einzige Production, die bei ihnen im Schwünge ist, gehörig zu invcstiren
und auch nur halbwegs rationell zu betreiben; sie sind beinahe durchwegs
von Proletariern bewohnt, die kümmerlich von der Hand in den Mund leben.
Geld aber haben sie in Fülle so viel, dass sie es fort und fort abgeben müssen,
lediglich um die nackte Existenz kümmerlich zu fristen. Diese Länder sind
also arm, aber Geld ist das letzte, dessen sie bedürfen ; was ihnen fehlt, das
ist Capital, u. zw. zufällig Capital in anderer als Geldform. Um diese Länder
reich zu machen, müsste ihnen das Capital in Form von Maschinen, Nahrungs
mitteln und Kleidung für die Arbeiter, welche die Bergwerke investiren und
Fabriken errichten sollen, zugeführt werden. Dagegen bedürfen gerade die
reichsten Länder, England an der Spitze, ununterbrochen neuen Geldzuflusses ;
sie geben Capital ab, führen aber Geld ein, dessen sie zu Completirung
und Erweiterung ihres Circulationsmittelvorrathes bedürfen. Das Bedürfniss
nach Geld hat also, wie man schon aus diesen zwei Beispielen ersehen wird,
mit der Frage des Reichthums nichts zu scliaflen, ebensowenig wie das Be
dürfniss nach Wolle oder Getreide.
Aber auch die thatsächliche Strömung der Edelmetalle ist nicht durch
Reichthum und Armuth, sondern durch ganz andere Verhältnisse bedingt. Im
Verhältnisse zwischen England und den Goldproductionsländern sind es aller
dings die ärmeren Gebiete, von denen das Gold nach dem reichen abfliesst,
aber nicht aus dem Grunde, weil jene arm sind und dieses reich ist, sondern ledig
lich deshalb, weil jene produciren, wessen dieses bedarf. Im Verkehre zwischen
Norwegen und England ist es umgekehrt das arme Land, welches Geld vom
reichen bezieht, aber wieder nicht aus dem Grunde, weil das eine reich und das
andere arm ist, sondern lediglich deshalb, weil das eine des Geldes bedarf und
das andere dasselbe aus erster Hand von den Minendistricten bezieht und
daher weiter abzngeben in der Lage ist.
Und schliesslich strömt das Geld auch dorthin nicht, wo der Zinsfuss
am höchsten ist; der hohe Zinsfuss zieht Capital heran, und nur dann,
wenn der Zinsfuss für Geld höher wird, als der für andere ('apitalion,
äussert er auch seine magnetische Wirkung auf das Capital in Form
von Geld. Der Zinsfuss in Australien und Californien ist im Durch
schnitte der Jahre wohl dreimal so hoch als in England; nichtsdesto
weniger fliesst Geld von Californien und Australien nach England. Von