Full text : Währung und Handel

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Zahlungsbilanz  eines  Landes  wirklich  schlecht  ist,  rascher  und
leichter  aus,  als  das  schwerfälligere  weisse  Edelmetall  ;  aber
es  wandert  umgekehrt  auch  rascher  wieder  ein,  wenn  die
England  aus  Hiesst  dagegen  allerdings  das  Geld  auch  nach  Ländern,  die  zugleich ­
  einen  höheren  Zinsfuss  als  England  haben,  aber  dies  ist  durchaus  nicht
ausnahmslos  der  Fall.  Angebot  und  Nachfrage  von  Geld  sind  nur  eine  Unterabtheilunç
  des  grossen  allgemeinen  Capitalnachfrageverhältnisses.  Da  gerade
auf  diesem  Gebiete  die  meisten  Irrthümer  begangen  werden,  so  wird  es  gut
sein,  die  Sache  zitfermässig  zu  verdeutlichen.  Der  durchschnittliche  Zinsfuss
in  Deutschland  beträgt  5,  in  England  4  Percent  ;  ist  nun  in  England  wie  in
Deutschland  der  Geldumlauf  auf  normaler  Höhe,  so  wird  zwar  das  englische
Capital  durch  das  eine  Percent  Differenz  der  beiderseitigen  Zinssätze  veranlasst ­
  werden,  in  Deutschland  Verwendung  zu  suchen,  es  wird  aber  durchaus ­
  kein  Grund  vorhanden  sein,  dieses  ('apital  gerade  in  der  Form  von  Geld
nach  Deutschland  zu  senden.  Tritt  dagegen  durch  irgend  ein  Ereigniss,  z.  B.
durch  die  Ungunst  der  deutschen  Zahlungsbilanz,  ein  Sinken  des  deutschen
Circulâtionsmittelvorrathes  unter  das  normale  Niveau  ein,  so  wird  der  Zinsfuss
für  Geld  in  Deutschland  über  den  Durchschnitt  von  5  Percent  steigen,  und
wenn  nunmehr  die  Circulât  ions  Verhältnisse  in  England  normal  geblieben  sind,
so  wird  allerdings  das  englische  Capital  vorwiegend  in  der  Form  von  Geld
Verwendung  in  Deutschland  suchen,  es  wird  also  Geld  nach  Deutschland
strömen.  -Umgekehrt  aber  kann  bei  einer  vorübergehenden  Beengung  des
(b’rculationsmittelstandes  in  England  oder  bei  einer  vorübergehenden  Erweiterung ­
  des  deutschen  Circulatiomsmittelvorrathes  der  Zinsfuss  für  Geld  in
England  über  das  Niveau  deg  dortigen  Diirchschnittsatzes  steigen  ,  und
nunmehr  kann  gleichzeitig  eine  Wanderung  von  Capitalien  in  anderweitiger
Form  von  England  nach  Deutschland  und  eine  Wanderung  von  Geld  aus
Deutschland  nach  England  ei  nt  reten.  Das  Ueberwiegen  des  Geldzinsfusses  lür
sich  betrachtet,  kann  also  eine  Edelmetallströmnng  von  einem  Lande  zum
andern  noch  nicht  herbeiführen,  und  zwar  kann  dies  in  jenen  Fällen  nicht
geschehen  ,  wo  die  Ditl'erenz  des  allgemeinen  Zinsfnsses  noch  grösser  ist  als
die  Dilferenz  des  Geldzinsfnsses.  Um  dies  zu  veranschaulichen,  kann  man
wieder  auf  das  Beispiel  Englands  und  der  Minendistiicte  hinweisen.  Der  Zinsfuss ­
  für  Geld  ist  in  San  Francisco  fast  ausnahmslos  wesentlich  höher  als  in
London  ;  nichtsdestoweniger  Hiesst  Geld  bekanntlich  nicht  von  London  nach
.San  Francisco,  sondern  umgekehrt  von  San  Francisco  nach  London.  Der
Grund  ist,  dass  der  allgemeine  Zinsfuss  in  San  Francisco  im  Durchschnitte
noch  um  ein  Betiächtliches  höher  ist  als  der  allgemeine  Zinsfuss  in  London,
dass  also  das  Gapital  aus  England  nach  Californien  ganz  ausschliesslich  in
anderer  als  Geld  form  strömen  muss  und  dass  nunmehr  Californien  als  Entgelt
für  diese  anderweitigen  Sendungen  jene  Waare  nach  England  remittirt,  bei
welcher  die  Ditterenz  der  licihgebühr  hier  nnd  dort  die  geringste  ist,  also
Edelmetall.
Aus  all’  dem  dürfte  zur  Genüge  hervorgehen,  dass  die  internationalen
Geld  Strömungen  durchaus  von  denselben  Gesetzen  bedingt  sind,  wie  der  inter-
            
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