Full text : Währung und Handel

Baarsendungen  aus  Deutschland  nach  Oesterreich  schon  bei
einer  (auf  den  Vistacours  umgerechneten)  Notiz  von  177-580
Reichsmark  für  den  Wiener  Wechsel  über  KX)  fl.  lohnend
werden  müssten,  und  eine  Erhöhung  der  Wiener  Notiz  au
der  Berliner  Börse  über  diesen  Stand  nur  ausnahmsweise
möglich  wäre,  muss  ein  in  Oesterreich  erhobener  Schlagschatz
von  1  Percent  die  mathematische  Gewinnstgrenze  auf  17fl'80
Reichsmark  erhöhen,  da  erst  bei  diesem  Coursstande  die
Sendung  von  Gold  vortheilhafter  wäre,  als  die  Beschafl'nug
von  Wiener  ^Vechseln.
Ein  Land  kann  also  in  der  That  bei  höherem  Schlagschatze ­
  höheren  Coursgewinn  aus  seinem  internationalen
A\  echselverkehre  ziehen,  als  bei  massigem  Schlagschatze,  Allein
da  dies  nicht  kraft  einer  Conjunctur  geschieht,  die  für  alle
anderen  Nationen  die  nämliche  ist,  sondern  kraft  einer  künstlichen ­
  ]\Iasaregel,  an  der  die  anderen  Concurrenten  nicht
Theil  haben,  so  wirkt  hier  die  Concurrenz  der  anderen  diesem
(gewinne  entgegen.  Während  bei  normalem  Schlagschatze  die
Exportfahigkeit,  welche  die  günstige  Zaliluiigsbilanz  hervorgei
  uten  hat,  durch  Edel  metal  ly  uflüsse  und  durch  die  im  Innern
erzeugte  grössere  (îoncurrenz  der  einheimischen  Käufer  eingeschränkt ­
  und  auf  diesem  A\  ege  das  Gleichgewicht  in  der
Zahlungsbilanz  hergestellt  wird,  geschieht  dies  bei  übermässigem ­
  Schlagschatze  nicht  durch  den  Edelmetallzufluss,  sondern
durch  den  Vorsprung  der  fremden  Concurrenz.  Man  kann  in
ersterem  Falle  weniger  an's  Ausland  verkaufen,  weil  im  Tnlande
  mehr  gekauft  wird,  im  zweiten  Falle,  weil  das  Ausland
sich  fremden  (k)ncurrenten  zuwendet.
Aber  noch  nach  einer  andern  Lichtung  wird  die  Freude,
die  man  an  der  durch  den  hohen  Schlagschatz  hervorgerufenen
(Linst  der  MVchselcourse  haben  mag,  getrübt.  Auf  die  Im-])orte
  wirkt  nämlich  dieser  Schlagschatz  geradezu  im  entgegengesetzten ­
  Sinne.  Es  ist  selbstverständlich,  dass  auch  der
höchste  Schlagschatz,  er  mag  den  Wei-th  des  fremden  Goldes
auf  den  eigenen  Märkten  noch  so  sehr  drücken,  den  W  erth
des  eigenen  (ioldes  auf  den  fremden  Märkten  keineswegs»  zu
heben  im  Stande  wäre.  Wieviel  österreichische  Gohlgiilden
der  österreichische  Importeur  nach  Deutschland  zu  senden
hat,  um  damit  seine  Schuld  in  deutscher  Reichsmark  abzu-
            
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