Full text: Währung und Handel

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Papiervaluta unter sonst gleich bleibenden Verhältnissen mit 
Vortlieil zu importiren. Denn er wird nun für dassfdbe Produet, 
dessen Erzeugung im Papierlande 120 fl. gekostet bat, bei 
spielsweise 115 d. nehmen, weil diese 115 fl. in Silbeigeld 
umgereclinet, bei 10 Percent Agio noch immer 104 fl. 54 kr,, 
ihm also einen Nutzen von 4 fl. 54 kr. ergeben. Bei diesem 
Geschäfte wird gleichzeitig der Käufer im Papierlande einen 
scheinbaren Gewinn von 5 fl. erzielt haben. 
Der Nutzen des Ausländers wird sowohl bei den früher 
billiger gekauften, wie jetzt bei den theuer verkauften Waa- 
ren ein wirklicher sein. Der Nutzen des Käufers im Papier 
lande ist aber ebenso trügerisch, wie es früher der Nutzen 
des Verkäufers dort war, denn er hat für ein Product, welches | 
hinkünftig, so lange sich das Disagio von lo Percent erhält, ! 
im eigenen Lande um 110 fl. zu beschaffen wäre, 115 fl. ge- | 
geben, also 5 fl. oder 0 Arbeitstage vergeudet. Noch auttal- j 
liger wird dieser Verlust, wenn man sich etwa voistellt, dass ; 
es ganz dieselbe Waare sei, die zuerst für llo fl. bei einem i 
Agiostande von 20 Percent, also für einen Silberwerth von ; 
94 fl. an’s Ausland verkauft und später wieder für 115 fl., 
aber bei einem Agiostande von 10 Percent und folglich für . 
einen Silberwerth von 104 fl. 54 kr. vom Auslande zurück- | 
gekauft wurde. AVenn man die Landesvaluta als !Massstab i 
nimmt, wäre diese ganze Transaction, allerdings ohne jeden , 
Verlust vor sich gegangen, und doch werden 9*/2 1^- ^i^hei 
oder 19 Arbeitstage dabei an’s Ausland abgegeben worden 
sein, ohne dass dafür irgend ein Gegenwerth zu erhalten ge- ; 
wesen wäre. | 
Man wird vielleicht ein wenden, dass es ja durchaus keine ■ 
den Ländern mit gestörter Valuta allein eigenthüinliche Ten- ¡ 
denz sei, im Auslande dann einzukaufen, wenn dort billiger ^ 
produeirt wird als im Inlande, und dahin zu verkaufen, wenn i 
umgekehrt im Inlande billiger produeirt wird. Thatsächlich j 
liegt das Wesen des internationalen Handels in diesem Stre- I 
ben, beim Kaufe wie beim Verkaufe aus allen sich ergeben- i 
den Differenzen der Productionsbedingungen zweier Länder ; 
Vortheil zu ziehen. Aber es besteht ein ungeheurer Unterschied 
zwischen der Conjunctur, wie sie naturgemäss im intermitió- , 
nalen Handel ausgenützt wird, und derjenigen, die sich im Ge- 1
	        
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