Full text : Die Social-Demokratie

Hungertyphus.  ;

í»:>
Städten,  was  zu  dem  Schreckbild  des  Hungertyphus  wenig
stimmen  will.  Gerade  ein  Jahr  später  (1874,  28  gibt
der  Hungertyphus  in  Berlin  abermals  Stoff  zu  einem
Leitartikel,  der  mit  den  die  Absicht  verrathenden  Sätzen
schließt:
„Aber  Ihr  Arbeiter,  die  Ihr  direkt  leidet  mit  Euren
„Angehörigen,  wollt  Ihr,  daß  solche  Zustände  ewig  währen?
„Ist  Eure  Geistesträgheit  so  groß,  daß  sie  Euch  in  noch
„schlimmere  Banden  schlägt,  als  die  Ausbeutungssucht  des
„gewalthabenden  Kapitals?  Arbeiter,  wohlan,  beherzigt  die
„bittere  Lehre;  bleibt  nicht  beim  Anblick  des  Hungertyphus
„matt  und  lau!  Schließt  Euch  den  Männern  an,  welche
„das  eherne  Lohngesetz  mitsammt  Hunger,  Pest  und  Elend
„aus  der  Welt  schaffen  wollen!  Folgt  der  Fahne  von
„Ferdinand  Zaffaste  !"
Dieser  Appell  an  die  vom  Hungertyphus  angeblich  bedrohten ­
  Arbeiter  hindert  aber  nicht,  daß  die  in  säst  jeder
Nummer  des  „N.  Social-Dcmokrat"  zu  findende  Annonce:
„Porst'-  Salon  Rüdersdorferstraße  45,  am  Ostbahn-„hofe.
  Den  Herren  Parteigenossen  zur  Kenntniß:
„Jeden  Sonntag  Ball.  Jeden  Montag  und  Donnerstag
„Theatervorstellung,  nachher  Kränzchen.  Meine  gut  einge-„
  richteten  Salons  sind  noch  an  gewiffen  Tagen  in  der
„Woche  zu  Bällen  und  sonstigen  Festlichkeiten  unentgeltlich
„zu  vergeben.  C.  Porst"  nach  wie  vor  sich  an  die
Adresse  der  Arbeiter  wendet.
Der  „N.  Social-Demokrat"  nennt  selbst  seinen  Annoncentheil
  „einen  Spiegel  der  Agitation  des  AUgem.  deutschen
«Arbeitervereins."  Und  in  der  That,  das  Bild,  das  er  uns
erblicken  läßt,  zeigt  uns,  zusamniengehalten  mit  dem  Inhalt
der  an  der  Spitze  des  Blattes  stehenden  Leitartikel  den  höchsten ­
  Grad  von  Frivolität.  Jst's  mit  dem  Hungertyphus
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.