Lindersterblichkeit in Württemberg soi
Arzt auf die constitutionelle» Anomalien dec Müt
ter, aus Krankheiten derselben wie Slphilis, Skrophu-
lose und Schwindsucht Hinweisen; mag er die Roh
heit der Männer betonen, welche den Frauen bis zu den
letzten Stunden der Niederkunft Zwangsarbeit auferlegt;
mag er ausdrücklich betonen: „die Hauptursache liegt in dem
immer Seltenerwerden des Säugens", das beiden
höheren, wie bei den niederen Ständen immer weiter ein
reißt; mag er auch erwähnen: „Andere säugen zwar ihre
„Kinder, wenn sie gerade nach Hause kommen, für die übrige
„Zeit steckt mau den Kindern einen Schlozer in den Mund,
„gleichgültig, ob derselbe sauer ist, oder ob er mit anderen
„schädlichen Stoffen getränkt ist. Tie Frauen selbst gehen in
„die Fabriken oder an ihre sonstigen Geschäfte, und denken
„nicht im Entferntesten daran, irgend welche diä-
„tetische Vorschriften zu beobachten, welche wäh-
„rend des Stillens nothwendig sind"; mag der Um
stand, daß bei der reichen Bauernbevölkerung am südliche»
Albabhang die größte Kindersterblichkeit anzutreffen ist, ganz
besondere Beachtung bei der Beurtheilung verdienen; mag
endlich auch für Württemberg es noch unerforscht sein, in
welchem Verhältniß die Kindersterblichkeit der niederen Klaffen
zu derjenigen der höheren Stände steht — alles, alles dies
fällt bei den Gelehrten der „Süddtsch. Volks-Ztg." nicht
in's Gewicht. Für alle nicht in den socialen Verhältniffen
liegenden Ursachen haben sie kein Auge. Die ausgezählten
Ursachen hindern sie nicht an dem Urtheil: „Die Noth und
„Armuth, die Ueberanstrengung, die dadurch entstehende Roh-
„heit der Männer, die schlechten und theuren Wohnungen,
„(Burkart spricht von den sehr hoch gelegenen Wohnungen)
„die mangelhafte Pflege der Kinder sind die Ursache der hohen
„Stcrblichkeilsziffer." So ist denn der beabsichtigte Zweck