1 OG IV. Tie socialen Nothstände u. die Soc.-Demokralie.
„ein Ziel zu setzen und Staat und Gesellschaft vor den
„„Schrecknissen einer socialen Revolution" zu bewahren."
Bei einer anderen Gelegenheit schreibt der „Volksstaat"
(1872, 49):
„Ausbeutung und Unterdrückung — etwas Anderes
„haben die Arbeiter vorn heutigen Staat nicht zu erwarten;
„und nur politische Kinder konnten glauben, Herr von Bis-
„marck werde den Arbeitern etwas à la „englische Fabrik-
Inspektoren" als Präsent überreichen; denn für eine Junker-
legierung ist nicht einmal dieses Kraut gewachsen."
Nur tver die principielle Stellung der Social-Demokratie
zum heutigen Staat kennt, vermag diese Schmähungen und
Verdächtigungen der von Seiten des Staats den Arbeitern
sich darbietenden Hilfe zn begreifen. So sehr auch der Socia
lismus daS antiquirte Prinzip des »laissez aller et passer“
bekämpft, so wäre es ihm dennoch höchst erwünscht, wenn der
Staat der socialen Frage gegenüber sich vollständig passiv ver
halten würde, und Alles gehen ließe, wie es geht. Denn je größer
die Desorganisation, die Unordnung im gewerblichen Leben,
desto günstigere Chancen sind für den Socialismus vor-
Handen. Wo die Social-Demokratie sich dennoch an der ge
werblichen Gesetzgebung betheiligt, da geschieht es „ausschließ
lich zu agitatorischen Zwecken." (Volksstaat 1874, 50.)
Aus gleichen: Grunde wird auch die seit Herbst 1872
hcrvorgetretcne Partei der sogenannten „Äathedersocialisten"
höchst wegwerfend behandelt. Zu ihr gehören diejenigen
Männer, welche das Princip der staatlichen Intervention
auch wiffcnschaftlich vertreten, und wiederum betonen, daß
das Verhältniß der Arbeitgeber zu ihren Arbeitern und um
gekehrt nicht durch die Bestimmungen des rechtlichen Vertrags
erschöpft wird, sondern auch an gegenseitige sittliche Verpflich.
tnngen gebunden ist. Durch die Arbeiten und Kongresie