Kathedersocialisten.
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des „Vereins für Socialpolitik" liefern die Kathedersocialisten
der ökonomischen Gesetzgebung schätzenswerthe Vorarbeiten.
Die Social-Demokratie hat für diese Männer nur Hohn
und Spott. Der „N. Soc.-Demokrat" (1872, 119) nennt
ihre Principien „heillosen Blödsinn", und urtheilt von ihrer
Thätigkeit: „die Berge kreisen und ein Mäuschen wird ge
boren." Der „Volksstaat" (1872, 82) schreibt über sie:
„In kleinbürgerlichen Vorstellungen sich bewegend sind
„diese Kathedcrsocialisten mit ihrer bornirten Philantrople
„und vor den Folgen zurückbebenden Sintis eine schwächliche,
„verzwergte, und obendrein sehr verspätete Ausgabe der
„Sisinonde Sismondi, John Stuart Mill u. s. w., in
„deren Schriften jeder Gedanke der Herrn Kathedersocialisten,
[nur ungleich kräftiger, schärfer und entwickelter zu finden
„ist. Der ..Kathedersocialismus" hat eben eine Brille und
„Hämorrhoiden, wie alles deutsche „Gelehrten"»Werk.
Neben den gesetzlichen Verpflichtungen, welche die gewerb
liche Gesetzgebung auferlegt, bleibt den Arbeitgebern noch ein
weiter Spielraum für die Bethätigung ihrer freiwilligen Für
sorge für das materielle und sittliche Wohl ihrer Arbeiter.
Eine einfache Beschränkung auf die Befolgung der gesetzlichen
Vorschriften halten wir noch nicht für ausreichend, um den
socialen Frieden wieder herzustellen und zu erhalten. Die
Gesetze können unmöglich alles für die Arbeiter Nützliche und
Ersprießliche in ihren Bereich ziehen. In der Regelung des
absolut Nothwendigen haben sie ihre Grenze, die sie nicht
überschreiten können. Wollte die Gesetzgebung mehr thun,
dann würde sie zum Hemmschuh werden. Das ganze weite
Gebiet der sittlichen Verpflichtungen bleibt von ihr unberührt.
Hier muß sie der freiwilligen Initiative des einzelnen Arbeit
gebers es anheimstellen, das zu thun, was je nach der
Eigenart semes industriellen Betriebs und je nach den lokalen