Full text : Die Social-Demokratie

HO  IV.  Die  socialen  Nothstände  U.  die  Soc.-Demokratie.
„falls  in  England  einzuführen.  Mit  Elberselder  Muckerthum
„glaubt  man  das  sociale  Elend  Englands  bessern  zu  können!
„Etwas  Tolleres  gibt  es  schwerlich."  An  diesem  Urtheil
ändert  natürlich  auch  die  Thatsache  nichts,  daß  seit  Organisation ­
  der  freiwilligen  Armenpflege  in  Elberfeld  im  Jahre
1853  der  Aufwand  der  städtischen  Armenpflege  von  47,149
Thaler  im  Jahre  1852  bei  50,364  Einwohnern  im
Jahre  1867  bis  auf  21,182  Thlr.  bei  64,732  Einwohnern
sich  vermindert  hatte,*)  dadurch  also  eine  wesentliche  Per-Minderung
  der  Armuth  durch  die  Thätigkeit  der  freiwilligen
Armenpsteger  konstatirt  ist.
Endlich  finden  auch  die  Arbeiten  der  „Inneren  Mission,"
soweit  dieselben  den  Arbeiterstand  berühren,  keine  Gnade  in
den  Augen  der  Social-Demokratie.  Die  Innere  Mission
hat  schon  seit  Jahrzehnten  ihre  „Herbergen  zur  Heimath"
für  die  Haudwerksburscheu.  In  über  100  Städten  Deutschlands ­
  werden  diese  Herbergen  von  den  wandernden  Handwerksgesellen ­
  äußerst  zahlreich  besucht,  da  sie  gute  und  billige
Kost,  reinliches  Nachtquartier,  überhaupt  Alles,  was  den»
Handwerksburschcn  auf  der  Wanderschaft  nach  Leib  und
Seele  Noth  thut,  darbieten.  Die  Innere  Mission  nimmt
sich  in  großen  Städten  der  Lehrlinge  an,  denen  ein  Anschluß
an  die  Familie  fehlt,  und  baut  Herbergen  für  Fabrikmädchen.
Sie  bezweckt  damit  Bewahrung  vor  den  Gefahren  des
Wanderlebens,  und  Schutz  vor  den  zahlreichen  Versuchungen,
denen  die  in  einer  Großstadt  alleinstehenden  Jünglinge  und  Mädchen ­
  ausgesetzt  sind.  Aber  weder  an  Jenem  noch  an  Diesem
scheint  der  Social-Demokratie  etwas  gelegen  zu  sein.  Sie
verdächtigt  alle  diese  Anstalten  als  „gewinnreiche  Spekulationen
*)  Bausteine,  Jlluftrirtes  Monatsblatr  für  innere  Mission
1874,  67.
            
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