112 lV. Die socialen Nothstände u die Loc Demokratie.
hat, erwarten, daß er auch über den geringsten Beitrag zur
Abhilfe, und solite derselbe auch nur für den Augenblick eine
Wirkung haben, sich von Herzen freut, nnd sich die Palliativ
mittel so lange gefallen läßt, bis es ibm gelungen ist, gründ
lich zu helfen? Vergebens erwarten wir von der Social-
Demokratie ein solches Verhalten, weil sie nicht an der
Linderung sondern an der Verschärfung der
Nothstände ein Interesse hat. Diese Behauptung,
schon einfach durch das Verhalten der Social-Demokraten
gerechtfertigt, stützt sich auf eine Aeußerung des Präsidenten
des „Allg. deutschen Arbeitervereins" Hasenclever, der in
einer Berliner Mitgliederversammlung in einem Vortrag über
die Stellung der Social-Demokratie zur konservativen Partei
sich dahin ausließ: „Wir bekämpfen auf der auderen Seite
„jedoch nicht, wie der Grundbesitz, die Entwickelung des
„Kapitals, nnd zwar, wie einmal Schweitzer im Reichstage
»betonte, aus Bosheit nicht. Je mehr das Kapital sich
„entwickelt, desto korrumpirter werden alle Verhältnisse, so daß
„das Volk endlich zur Erkenntniß kommen, und das ganze
„faule Gebäude zusammenstürzen muß." (N. Soc.-Demokrat
1871, 65.) Das war doch etwas stark aus der Schule
geplaudert! Die Social-Demokratie kämpft nicht gegen eine
Steigerung der Korruption, eine solche fördert nur den von
ihr geplanten Umsturz der bestehenden Gesellschaftsordnung,
liegt also in ihrem Interesse. Sie bekänipft aber Alles,
was die Korruption eindämmen kann; denn eine Abnahme
derselben macht auch das Gelingen des socialen Umsturzes
aussichtsloser.