Kämpfe zwischen Papsttum und Kaisertum; goldene Bulle. 111
Karl: unter seinen Auspicien sollte der König den Stuhl des
Imperiums besteigen.
Karl hörte dem sonderbaren Schwärmer ruhig zu — und
sandte ihn schließlich zum Papste. Ja, er wollte Kaiser werden,
aber auf andere Art. Mit dreihundert Reitern, in gutem Ver—
nehmen mit der Kurie, der er, seinem früheren Versprechen ge—
mäß, alle Rechte in Italien überließ, zog er nach Süden. Es
war eine lustige Reise; sie glich einer Kauffahrt zur Messe.
In Mailand nahm der König gegen viele Versprechen viel
schweres Geld ein, auch ward er mit der lombardischen Krone
zekrönt. Die Florentiner handelten dann ganz in seinem Sinne,
wenn sie ihn baten, sie gegen Empfang von 100 000 Gold⸗
zulden mit seinem Besuche zu verschonen: er nahm das Geld
und zog vorüber. So kam er nach Rom, und am Ostersonntag
des Jahres 1355 empfing er die Krone. Die Römer verkannten
ihn so weit, ihm die Herrschaft anzubieten: er aber zog sich
programmmäßig noch am Krönungstage aus der ewigen Stadt
zurück und befand sich nach einiger Zeit wiederum glücklich in
Augsburg. Tapferkeit ist kein erbliches Gut', rief ihm Pe—
—X ——
Indes das Ziel, soweit es sich Karl gesteckt hatte, war
erreicht. Zwar höhnten die Italiener — aber war es um die
deutsche Herrschaft in Italien nicht thatsächlich ein eigenes
Ding? Karl gab, dem Fluch der Lächerlichkeit trotzend, auf,
was aufzugeben war. Genug, wenn er sich da zäh und wider—
standskräftig zeigte, wo es sich um wirklich wichtige nationale
Fragen handelte. Und sie auf dem centralen Boden der Reichs—
oerfassung zu erörtern und zu regeln war er alsbald nach seiner
Rückkehr aus Italien bereit.
Auf den Reichstagen zu Nürnberg und Metz des Jahres
1356 ward die goldene Bulle verkündet. Sie kodifiziert und
systematisiert in ihren dreißig Abschnitten, was im Laufe der
Königsherrschaften seit dem Interregnum sich langsam und
unter tausend Fällen der Ausnahme und des Widerspruchs
zum Reichsrecht entwickelt hatte oder zu entwickeln wenigstens
im Begriff stand. Und sie thut das im Sinne Karls: un—