Full text: Die Social-Demokratie

1 u; V. Der Klassenhaß mid die Soc.-Deinokralie. 
vermehrte Besitz ausschließlich der Befriedigung einer in gleichem 
Maße gesteigerten Genußsucht und wie oft in der übermüthig 
sten und frivolsten Weise dient. Was unsere Zeit in diesem 
Punkte leistet, brauchen wir nicht zu sagen. Nicht nur, daß 
der schnöde Mißbrauch des Besitzes Erbitterung hervorruft, er 
weckt auch in den Herzen der Unbemittelten, die sich täglich 
von einem verschwenderischen Luxus umgeben sehen, neben 
dem Gefühl des ungeheuren Abstandes die Begierde nach ähn 
lichen Genüssen, deren Nichtbefriedigung Mangels der hierzu 
erforderlichen Mittel die Armuth schwerer und die Unzu 
friedenheit wie die Erbitterung größer macht. 
Wir haben mit den vorstehenden Andeutungen nur den 
Boden bezeichnen wollen, auf welchen die Social-Demokratie 
sich stellt, nicht in der Absicht, die angegebenen Ursachen der Un 
zufriedenheit zu beseitigen, sondern uni dieselben in ihrem 
eigenen Interesse zum Klassenhaß und zum Klassenkampf zu 
schüren und zu steigern. Sie weiß die schrankenlose Erwerbs 
sucht und Genußsucht scharf zu geißeln. Es bildet dies aber 
nicht die Grenze, welche von der Social-Demokratie mchl 
überschritten wird, sondern, wo sie Arbeiter findet, die noch 
zufrieden sind, weil sie von jenen die Unzufriedenheit erzeu 
genden Ursachen weniger berührt werden, da versucht sie es, 
dieselben unzufrieden zu machen, bainit die Unzufriedenheit 
nicht auf einen Bruchtheil der Arbeiterwelt beschränkt bleibt, 
sondern die ganze Klasse ergreift und somit zum Klassenhaß 
sich erweitert. 
Als Mittel hiezu dient ihr die planmäßige und 
künstliche Erweiterung der Bedürfnisse der Arbeiter. Die 
Wirkung eines solchen Mittels liegt auf der Hand, wenn 
nicht zugleich mit der Erweiterung des Bedürsnißkreises auch 
eine reichere Einnahme dargeboten wird. Auf diese Weise 
wird die Lage des Arbeiters nicht gebessert, wohl aber ver-
	        
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