126 V Der Älassenhaß und die Soc Demokratie.
„sorgst Du für Deine Herren und wie schlecht für Dich
„selbst! Männer des Volkes, haltet Ihr Euch nicht für
„würdig, den Ertrag Eurer Arbeit ungetheilt zu genießen?
„Meint Ihr als fromme Christen zu handeln, wenn Ihr
„selbst mit Weib und Kind im Schlamme des Elends nn-
„tergeht, wenn Ihr Pest und Hunger, Unwissenheit nnd
„Verbrechen über Euch und Eure Nachkommen heraufbeschwört?
„Wollt Ihr, Sclavenseelen gleich, statt mannhaft Stand zu
„halten. Euch zerknirscht in den Staub werfen unter der
„Neberlast des Ungemachs?
„Männer der Arbeit, in der Gluth des Flammofens,
„im Feuer der Schmiede streckt Ihr das Eisen, schmiedet
„Ihr Schwerter und Ketten. Das Werk Eurer Hände sind
„die Millionen von Gewehren, die Zehntausende von Kano-
„nen, von denen die Welt starrt. Und wer ist es, der
„unter Schwertstreichen erliegt, den die Ringel dahinrafft, den
„die Granate zerreißt, wenn die Kriegsfurie dahinraset durch
„Europa? Daö seid Ihr, das sind Eure Brüder und
„Söhne. Wahnsinnigen Selbstmord begehen die Völker,
„wenn sie sich ans den Schlachtfeldern zerfleischen.
„So arbeitet Ihr, so plagt Ihr Euch, und was ist
„Euer Theil? — Habt Ihr Freude, Wohlstand, Frieden?
„— Habt Ihr Obdach, Nahrung, Kleidung? — Oder was
„für Herrlichkeiten sind es, die mit Angst und Qual Ihr
„Euch erwerbt?
„Die Saat, die Ihr säet — ein Anderer erntet sie! -
„Die Schätze, die Ihr schafft, — ein Anderer sammelt sic!
„— Die Kleider, die ihr webt — ein Anderer trägt sie!
„— Die Waffen, die Ihr schmiedet — Ihr stoßt sie Euch
„selbst durch die Brust!
„So säet — doch esset selbst Euer Brod!—Schaffet
„Schätze — doch für das eigene Heim! — Webt Kleider,