206 Dreiundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel.
wirkungen namentlich von englischer und französischer Seite
her auf deutschem Boden stattgefunden haben!. Ja anfangs
wurden diese Einwirkungen wohl gar bewußt abgelehnt; so
von Friedrich dem Großen, der sich schon seit etwa 1770 zu
ihnen mindestens indifferent verhielt, da er sie, an seiner Er—
fahrung gemessen, als unbedeutend erachtete.
Dennoch sind sie schließlich von nicht geringer Bedeutung
gewesen. Der Grund dafür ist leicht verständlich. Es ist zu
Anfang dieses Bandes erzählt worden, wie die dem öffentlichen
Leben und der höheren Sittlichkeit angehörigen Probleme des
neuen Subjektivismus in Deutschland vor allem als Probleme
subjektivistischer Erziehung erfaßt wurden: sehr natürlich bei
dem durchaus vergeistigten, hohen Idealen zugewandten Leben
der Nation in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Und
so glaubte man denn auch durch Nationalerziehung am ehesten
zu einem nationalen und modernen Staate, ja zu einem
modernen und nationalen Wirtschafts- und Gesellschaftsleben
kommen zu können: das ist z. B. die Empfindungs⸗ und Ge—
sinnungsgrundlage wie tausend gewöhnlicherer Vorgänge der
Zeit so einer so befremdenden Erscheinung, wie des Kommunismus
von Fichte.
Aber war daneben nicht auch noch eine ganz andere Art
des Eintritts in die Probleme des politischen Subjektivismus
denkbar? Konnte man nicht auch aus der theoretischen und
praktischen Betrachtung des Wirtschafts- und Gesellschafts⸗
lebens in sie eintreten? Ja war dieser Weg nicht vielleicht
der viel natürlichere, jedenfalls anschaulichere und einfachere?
Die großen Nationen des europäischen Westens, Eng⸗
länder und Franzosen, haben diesen Weg eingeschlagen und
durch ihr auf diesem Wege entwickeltes Denken die deutsche
Entwicklung ergänzt und befruchtet. Denn wohl regten sich
auch bei ihnen gelegentlich pädagogische und — ihnen nahe
verwandt — psychologische Gesichtspunkte, aber sie waren weit
davon entfernt, die politische Erörterung zu beherrschen, wenn
S. oben S. 71 ff.