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VI. Die Revolution der Soc.-Demokratie.
„Abonnenten und Inserate zu erhalten! Das ist, — fassen
„wir uns kurz, — offener Verrath an der Sache der
„Arbeiter. Die österreichischen Arbeiter haben nicht für ein
„reaktionäres Blatt, das „für die ruhige Entwickelung
„des Staatslebens" wirken will, beigesteuert, sondern für
„ein internationales revolutionäres Arbeiter-
„organ."
Ruhige Entwickelung des Staatslebens offener Verrath
an der Sache der Arbeiter! Wir brauchen kein weiteres
Zeugniß für die principielle Abneigung der Social-Demokratie
gegen jedes friedliche Mittel und für ihre revolutionäre
Tendenz, die nur den rechten Zeitpunkt abwartet, um mit
Gewalt die sociale Revolution herbeizuführen, welche die be
stehende Gesellschaftsordnung zertrümmern und die socialistische
an die Slelle derselben setzen soll.
Wie die Social-Demokraten unter sich, nicht in ihrer
Preste vor der Oesfentlichkeit, sondern im Geheimen in ihrer
Korrespondenz den revolutionären Charakter ihrer Partei
auffassen und debattiren, mögen zwei Briefe beweisen, welche
der Braunschweiger Prozeß zum Vorschein gebracht hat.
Kaufmann Wilhelm Bracke aus Braunschweig, Mitglied des
Ausschusses der „social-demokratischen Arbeiterpartei" schreibt
an den Techniker Leonhard von Bonhorst aus Caub, eben
falls Ausschußmitglied:
„Unserer Partei liegt die Erkenntniß zu Grunde, daß
„nur durch die Intervention des Staates im Großen, nölhigen-
„ falls erzwungen durch eine Revolution, die socialistische
„Gesellschaft eingeführt werden könne (was nur in einem
„Volksstaate möglich ist.) Deshalb das Streben, die staat-
„lichen Zustände zu ändern, und, da wir wenig Hoffnung
„haben können, dies auf friedlichem Wege zu thun, die
„Vorbereitung auf die Gewalt."