Full text : Die Social-Demokratie

162  VI.  Die  Revolution  und  die  Soc.-Demokratie
„und  Verschwörung  hinderten.  Nie  hätte  das  französische
„Volk  zu  Beil  und  Strick  gegriffen,  hätte  die  verrätherische
„Aristokratie  nicht  zuerst  Gewalt  gebraucht.  Erst  wenn  dem
„Volk  der  friedliche  Weg  zu  seinem  heiligen  Rechte  abge-„schnitten
  ist,  dann  singt  es  sein  ça  ira,  dann  aber  hängt
„es  und  köpft  es  auch  ohne  Gnade  alle  Volksverräther!"
Erinnern  wir  uns  des  Hasielmann'schen  Ausspruchs:
„Wir  schreiben  à  la  Marat!",  der  ohne  Unterlaß  seine  Brandfackel ­
  in's  Volk  schleuderte  und  zu  jeder  neuen  Erhebung
durch  die  Presse  das  Allarmsignal  gab,  so  kann  man  es  mit
den  Händen  greifen,  was  die  Absicht  und  der  Zweck  solcher
Artikel  ist,  welche  unsern  Arbeitern  die  französischen  Revolutionslieder ­
  vor  die  Augen  führen.
Wir  wollen  gerne  zugeben,  daß  nur  die  Parteiführer
sich  ihrer  Absicht,  auf  dem  Wege  einer  gewaltsamen  Revolution ­
  dem  Socialismus  zur  Herrschaft  zu  verhelfen,  sich
klar  und  bestimmt  bewußt  sind,  und  daß  eine  große  Zahl
von  Parteigenossen  vielleicht  nicht  einmal  eine  Ahnung  davon
hat,  welchem  Ziel  man  sie  entgegenführt.  Aber  wie  geflissentlich
  man  das  revolutionäre  Feuer  in  den  Herzen  der  Proletarier ­
  zu  schüren  sich  bemüht,  das  beweist  die  social-demokratische
Poesie,  welche  revolutionäre  Begeisterung  zu  wecken  versucht.
Das  von  Joh.  Most  gesammelte  „Proletarier-Liederbuch"  ist
reich  an  feurigen  Revolutionsliedern.  Auf  Seite  19  finden
wir  ein  „Proletarier-Lied",  dessen  beiden  ersten  Strophen
allo  lauten:
„Es  tönt  ein  Ruf  von  Land  zu  Land:
„Ihr  Armen  reichet  Euch  die  Hand!
„Und  ruft  ein  „Halt"  der  Tyrannei,
„Und  brecht  das  Sklavenjoch  entzwei!
„Es  wirbelt  dumpf  das  Aufgebot,
„Es  flattert  hoch  die  Fahne  roth:
Arbeitend  leben,  oder  kämpfend  den  Tod!  :,:
            
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