Full text: Die Social-Demokratie

Lociale Bedeuruug Ser Relrgion 
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solche Zustände nicht gutheißen, die nur in zahlreichen und 
bedeutenden Abstufungen die einzelnen Menschen an das ge 
meinsame Ziel gelangen lassen, die nicht selten denjenigen 
am weitesten davon entfernt halten, welcher am eifrigsten darnach 
trachtet. 
Der innere Zusammenhang der Religion mit der Ge 
staltung des socialen Lebens, daher auch das Ineinander 
greifen der socialen und religiösen Frage wird deshalb so 
häufig übersehen, weil unsere Zeit von einer socialen Beden- , 
tung der Religion nur noch sehr wenig zu wissen scheint. 
So weit man fich gegen Religion überhaupt heutigen Tages 
noch tolerant verhält, ist man allzu sehr geneigt, sie auf den 
Lebenskreis des einzelnen Individuums zu beschränken. Die 
Religion wird in einseitiger Weise als eine Privatsache be 
trachtet. Daß aber keine menschliche Gesetzgebung, sondern 
gerade die Religion uns auch für das Zusammenleben und 
-Wirken der Menschen, also für die Gesellschaft die obersten 
Principien geben muß, das bleibt leider meist unbeachtet. 
Ich hätte das vollste Recht die bestehende sociale Ordnung 
als die größte Unordnung und Ungerechtigkeit zu betrachten, 
wenn dieselbe auf keine andere, als bloß menschliche Autorität 
sich stützen könnte, eine Autorität, die für mich nicht unter 
allen Umständen maßgebend sein kann. Eine jede sociale 
Ordnung muß als das Produkt der reinsten menschlichen 
Willkür, als ein Ausfluß der jeweiligen Macht erscheinen, so 
lange sie nicht im Stande ist, ben Rachweis zu liefern, daß 
ihre Principien in religiösen iinb daher ewigen, weil gött 
lichen Principien wurzeln. Vergißt die sociale Ordnung 
ihren Zusammenhang mit den ewigen Gottesordnungen, dann 
beraubt sie sich selbst der höchsten Autorität, die sie gegen 
Jeden, der die Ordnung antasten will, geltend machen kann. 
Das religiöse Leben ist der Fels, den das sociale Leben nicht
	        
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