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iLhnstknthuni und Socialismus
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vom „Bolksstaat". Er hüllt sich nichl in einen religiösen
Mantel ein; er verschmäht es auch, seine Feindschaft wider
das Christenthum in schöne Worte einzukleiden; frank und
frei, ohne alle Umschweife breitet er seine religionslosen Be
kenntnisse vor seinen Lesern ans. Sein Kardmalsatz: „Chri-
stenthnm und Socialismus stehen sich gegenüber, wie Feuer
und Waffer" (1874, 25), drückt eine allgemeine Wahrheit
aus, die auf beiden Seiten anerkannt werden muß. Ganz
dieselben Worte kann der Christ gebrauchen, wenn er seine
Stellung znm Socialismus bezeichnen will, und ebenso der
Socialist, wenn er über seine Stellung zuui Christenthum
Auskunft geben soll. Das Verhältniß beider zu einander
kann kein anderes sein. Der Socialist kennt nur Menschen -
ordnung im socialen Leben, der Christ hält die ewigen Got-
tesordnungen fest; der Socialist beschräntt den Menschen auf
das Diesseits, der Christ läßt den Menschen sein höchstes
Ziel erst im Jenseits erreichen; der Socialist sucht seine volle
Seligkeit im Leben vor dem Tode, der Christ im Leben nach
dem Tode; der Sociallst preist den irdischen Genuß als das
höchste Glück, der Christ kann ohne den Frieden seines Her
zens nicht wahrhaft glücklich sein u. s. f. So taffen sich
in allen einzelnen Punkten Socialismus und Christenthuni
einander gegenüber stellen. Wir kennen kein treffenderes
Gleichntß für das Verhältniß beider zu einander als das
voit Feuer und Wasser. Das Feuer verdanipft das Wasser,
und das Waffer löscht das Feuer; beide können sich me zu-
istmmc» vertragen. So verdrängt der siegreich werdende
Socialismus das Christenthum, und das Christenthum ist
ein fester Wall gegen den Socialismus. Auch da, wo das
Christenthum mit dem Socialismus etwas gemein zu haben
scheint, ist es nur eine Namensgemeinschaft. Freiheit, Gleich
heit und Brüderlichkeit, welche der Socialist auf seine Fahne