Agitatoren
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einer sogenannten „fliegenden Agitation" durchstreiften sie
ihre Bezirke und suchten in masienweise in Stadt und Land
veranstalteten „Volksversammlungen" „das arbeitende Volk"
für den Socialismus zu gewinnen. Sie ließen es sich
weniger angelegen sein, durch Aufklärung und Belehrung
über die eigentlichen Ziele des Socialismus für denselben
Serben, sondern sie betrachteten es vielmehr als ihre
Aufgabe, unter möglichster Verhüllung derselben, durch eine
alles Maß überschreitende abfällige Kritik der herrschenden
Zustände und der Grundlagen der bestehenden socialen Ord
nung der Unzufriedenheit neue Nahrung zuzuführen und
durch dieses Mittel neue Anhänger für die „rothe Fahne"
zu gewinnen. In den einzelnen Ländern bildeten sich besondere
Landes-Agitations-Comil6s, welche dafür zu sorgen hatten,
durch eine planmäßig betriebene Agitation die Arbeiterwelt
ihres Landes allinälig für den Socialismus zu erobern.
Für Württemberg hatte ein solches domite anfangs seinen
Ş'tz in Eßlingen, ist aber nach mehrfachen Wanderungen
neuestens nach Stuttgart verlegt worden, wo auch der früher
in Rheinland und Westphalen thätige, jetzt für Württemberg
und Baden bestellte berufsmäßige Agitator Dreesbach gegen
wärtig stationirt ist. Ta die „fliegende Agitation" nichts
auszurichten vermag, wenn ihr nicht wohlgcschulte Redner-
krattc zur Verfügung stehen, so suchten biefem Bedürfniß
besondere „ Agitatoren- oder Rhetorenschulen" abzuhelfen.
Eine solche bestand seiner Zeit in Mannheim zur Versorgung
des Südens unseres Vaterlandes, und gegenwärtig wird
Hannover vorgelegten und geprüften Quittungen und Postscheinen
şeldsi nur gegen 500 Thlr. zur Agitation für 136 Tage nebst
Fahrgeld zur Reise fast durch ganz Deutschland verbraucht hatte.
Die übrigen 1200 Thaler vertheilten sich auf verschiedene
Agitatoren."