Full text : Die Social-Demokratie

Agitatoren.

Versammlungen"  scheint  zwar  vorüber  zu  sein.  Die  bekannten
rothen  Plakate  kommen  an  den  Straßenecken  viel  seltener
zum  Borschein,  und  da  die  Sache  für  Viele  doch  bereits  den
Reiz  der  'Neuheit  verloren  hat,  so  müssen  künstliche  Reizmittel ­
  angewandt  werden,  um  ein  größeres  Publikum  herbeizuziehen, ­
  wie  z.  B.  die  in  Karlsruhe,  Stuttgart  und  Pforzheini
  kurz  hintereinander  erfolgte  Ankündigung  von  Referenten
aus  der  Reihe  der  social-demokratischen  Reichstagsmitglieder,
deren  Namen  wohl  auf  den  Plakaten  paradirten,  die  aber  in
den  Versammlungen  selbst  zu  erscheinen  jedesmal  verhindert
waren  und  sich  durch  Agitatoren  niederen  Ranges  entschuldigen ­
  und  vertreten  ließen.  Wenn  auch  in  dem  Anschwellen  der
socialistischen  Bewegung  offenbar  ein  Stillstand  eingetreten  ist,  so
sind  die  Agitatoren  doch  nach  wie  vor  auf  dem  Plan.  Auch
die  polizeiliche  Schließung  des  „Allgemeinen  deutschen  Arbeiter-Vereins"
  in  Berlin,  sowie  einzelner  Mitgliedschaften  der
„social-demokratischen  Arbeiterpartei"  in  Preußen  und  Bayern
haben  hierin  nichts  zu  ändern  vermocht.  Die  Agitation  in
öffentlicher  Versammlung  ist  hierdurch  wenig  oder  gar  nicht
berührt  worden  und  an  die  Stelle  der  aufgelösten  alten
Verbindungen  treten  die  neuen  „social-demokratischen  Wahlvereine," ­
  die  wie  die  gleichnamigen  Vereine  der  anderen
politischen  Parteien  mit  dem  Gesetz  in  formellem  Einklang
stehen,  aber  unter  der  neuen  Forni  das  alte  Wesen  weiter
treiben.
Ev  mag  nicht  unerwähnt  bleiben,  daß  die  socialistische
Agitation  bei  ihren  Eroberungszügen  auch  ihre  Eclaireurs
hat.  Wenn  eine  Gegend,  ein  industrieller  Bezirk  für  den
Socialismus  neu  erschlossen  werden  soll,  so  wird  für  gewöhnlich ­
  nicht  mit  einer  „großen  Volksversammlung"  der  Anfang
gemacht,  sondern  in  aller  Stille  wandern  einzelne  Parteigenossen ­
  ein,  die  in  Arbeit  treten  und  bei  der  Arbeit  in
            
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