Full text: Die Social-Demokratie

214 
Vili. Socialistische Zukunftsbilder. 
mstischc gemeinsame Genießen gegenüber beni individuellen 
persönlichen Genuß ist." Nicht nur die Gemeinsamkeit, auch 
die Gleichheit des Genusses ist eine kommunistische Forderung. 
„Wir wollen einen freien Staat, gegründet auf Gerechtigkeit, 
„ans Freiheit und Brüderlichkeit; einen Staat, der alle seine 
„Bürger gleich arbeiten und gleich genießen läßt, der ihnen 
„neben gleichen Pflichten auch gleiche Nechte sichert , lesen 
wir im „N. Soc.-Demokrat" (1875, 30.) Der Genuß 
überhaupt ist der eigentliche Angelpunkt, um welchen sich der 
ganze Socialisnius bewegt; der Genuß ist das Centrum, in 
welchem alle seine einzelnen Wege zusammenlaufen. Denn 
der Socialismus fußt auf der ächt materialistischen Lebens 
anschauung, die den Genuß als Lebenszweck setzt. „Cs 
„weiß die Social-Demokratie, daß Genuß Lebenszweck, und 
„daß gemeinschaftlicher, durch Wistenschaft gewürzter und 
„Kunst veredelter Genuß der höchste, weil allein vernünftige 
„und menschenwürdige Kultus ist." (N. Social Demokrat 
1873, 76.) An dieser Stelle springt klar in die Augen, 
in wie hohem Grad die Social-Demokratie ein .liecht hat, 
sich als ein ächtes Kind unserer Zeit zu betrachten. Den 
Genuß als Lebenszweck zu setzen, ist nicht die ausschließlich 
der Social-Deniokratie eigenthümliche Leberisphtlosophie, sondern 
sie ist Gemeingut der gesammten materialistischen Wisseirschaft, 
die mit ihrer Leugnung alles llebersinnlichen bei diesem lie 
snltat anlangen mußte, an dessen praktische Durchführung 
auch im Leben der niederen Volksklassen die Social-Demokratie 
die Hand gelegt hat. Nehmen wir noch hinzu, was für 
Lebensformen jenes Lebensprincip bereits in den höheren 
Klassen geschaffen hat, wie die oft raffinirteste Genußsucht 
das Leben Vieler beherrscht, und das Herz gegen den Be- 
dürftigen und 'Nothleidenden erkaltet, so lernen wir die beiden 
Säulen kennen, welche der Social-Demokratie alv feste ^tütz,.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.