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Vili. Socialistische Zukunftsbilder.
mstischc gemeinsame Genießen gegenüber beni individuellen
persönlichen Genuß ist." Nicht nur die Gemeinsamkeit, auch
die Gleichheit des Genusses ist eine kommunistische Forderung.
„Wir wollen einen freien Staat, gegründet auf Gerechtigkeit,
„ans Freiheit und Brüderlichkeit; einen Staat, der alle seine
„Bürger gleich arbeiten und gleich genießen läßt, der ihnen
„neben gleichen Pflichten auch gleiche Nechte sichert , lesen
wir im „N. Soc.-Demokrat" (1875, 30.) Der Genuß
überhaupt ist der eigentliche Angelpunkt, um welchen sich der
ganze Socialisnius bewegt; der Genuß ist das Centrum, in
welchem alle seine einzelnen Wege zusammenlaufen. Denn
der Socialismus fußt auf der ächt materialistischen Lebens
anschauung, die den Genuß als Lebenszweck setzt. „Cs
„weiß die Social-Demokratie, daß Genuß Lebenszweck, und
„daß gemeinschaftlicher, durch Wistenschaft gewürzter und
„Kunst veredelter Genuß der höchste, weil allein vernünftige
„und menschenwürdige Kultus ist." (N. Social Demokrat
1873, 76.) An dieser Stelle springt klar in die Augen,
in wie hohem Grad die Social-Demokratie ein .liecht hat,
sich als ein ächtes Kind unserer Zeit zu betrachten. Den
Genuß als Lebenszweck zu setzen, ist nicht die ausschließlich
der Social-Deniokratie eigenthümliche Leberisphtlosophie, sondern
sie ist Gemeingut der gesammten materialistischen Wisseirschaft,
die mit ihrer Leugnung alles llebersinnlichen bei diesem lie
snltat anlangen mußte, an dessen praktische Durchführung
auch im Leben der niederen Volksklassen die Social-Demokratie
die Hand gelegt hat. Nehmen wir noch hinzu, was für
Lebensformen jenes Lebensprincip bereits in den höheren
Klassen geschaffen hat, wie die oft raffinirteste Genußsucht
das Leben Vieler beherrscht, und das Herz gegen den Be-
dürftigen und 'Nothleidenden erkaltet, so lernen wir die beiden
Säulen kennen, welche der Social-Demokratie alv feste ^tütz,.