Full text : Die Social-Demokratie

Aus  dem  Leben  Ferdinand  LaffalleS.  221
lau.  Er  besuchte  das  Gymnasium  seiner  Vaterstadt,  cßeng
aber,  von  seinem  Vater  für  den  Handelsstand  bestimmt,  1840
auf  die  Leipziger  Handelsschule  über.  Hier  machte  er  nur
geringe  Fortschritte,  da  ihm  der  väterliche  Berns  wenig  zusagte. ­
  Er  kehrte  daher  in  sein  Elternhaus  zurück  und  bereitete ­
  sich  durch  Privatunterricht  aus  die  Universität  vor.
1842  begann  er  seine  Universitätsstudien  zu  Breslau,  setzte
sie  später  in  Berlin  fort  und  widmete  sich  vorzugsweise  der
Philosophie  und  Rechtswissenschaft.  Besonders  zog  ihn  die
Hegel'sche  Philosophie  an,  in  deren  Dialektik  er  bald  heimisch
war.  Von  Natur  mit  glänzenden  Geistesgaben  ausgerüstet,
siel  es  ihm  leicht,  in  kurzer  Zeit  sich  einen  hohen  Grad  von
Gelehrsamkeit  anzueignen.  Auch  seine  erbittertsten  Gegner
können  ihm  sein  reiches  Wisien  in  Philosophie,  Geschichte,
Rechtswisienschaft,  Literatur  und  Nationalökonomie,  ebenso  auch
in  der  Philologie  nicht  streitig  machen.  Schon  frühe  erwarb  er
sich  durch  die  Herausgabe  niehrerer  gelehrten  Werke,  („die
Philosophie  Herakleitos  des  Dunkeln  in  Ephesus"  1857;
„System  der  erworbenen  Rechte"  1861  u.  a.)  in  der  Gclehrtenwelt
  einen  geachteten  Namen.  Lassalle  verstand  es
aber  auch,  mit  seiner  Gelehrsamkeit  zu  prunken  und  zu
prahlen.  Vor  dem  Berliner  Ü.  Kriminalgericht  im  Januar
1863  der  Aufreizung  der  Arbeiter  zum  Haß  gegen  die  besitzende ­
  Klasse  angeklagt,  würzte  er  seine  Vertheidigungsrede
mit  dem  eitelen  Selbstlob:  „In  verschiedenen  und  schwierigen
Gebieten  der  Wissenschaft  habe  ich  umfangreiche  Werke  zu
Tage  gefördert,  keine  Mühen  und  keine  Nachtwachen  gescheut,
um  die  Grenzen  der  Wissenschaft  selbst  zu  erweitern  und
ich  kann  vielleicht  mit  Horaz  sagen:  militavi  non  sine  gloria!" ­
  In  der  literarischen  Fehde  mit  Schulze-Delitzsch  rühmte
er  sich,  allerdings  durch  den  unverdienten  Borwurf  des  Halbwissens ­
  gereizt:  „Ich  schreibe  jede  Zeile,  die  ich  schreibe,
            
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