Aut dem Leben Ferdinand Lafsalle'S. 223
er, der todtkranke Dichter, sich zum Deismus bekehrt habe.
Lassalle hat nirgends in seinen Schriften seine religiösen Anschauungen
klar zu erkennen gegeben. Aus der Aeußerung
Heine's darf man aber den Schluß ziehen, daß sein jugendlicher
Freund seinen Atheismus vor ihm nicht verhehlt hak.
Zu Lassalles ganzem Wesen und Streben gehörte nothwendig
auch die atheistische Weltanschauung. Erst diese macht
ihn zu einem Mann aus einem Guß.
Nach der Rückkehr von Paris lebte Lassalle am Rhem,
nach dem Bericht seines Anktsnachfolgers im Präsidium des
„Allg. deutschen Arbeiter-Vereins" B. Becker, als unabhängiger
Privatgelehrter, nach anderen Mittheilungen am
Gerichtshöfe zu Düsseldorf beschäftigt. Hier traf ihn die
revolutionäre Bewegung des Jahres 1848, an der Lassatle
thätigen Antheil i,ahnl. In Folge des vom Berliner Abgeordnetenhause
gefaßten Steuerverweigerungsbeschlusses unternahm
es Lassalle, die Regierungskasien zu Düsieldorf zu
versiegeln, und da er außerdem Vorbereitungen zu einem
bewaffneten Widerstand gegen die Regierung getroffen hatte,
wurde er im November 1848 verhaftet, nach sechsmonatlicher
Untersuchungshaft aber von dem Schwurgericht zu
Düsseldorf freigesprochen. Die Aufforderung zur Widersetzlichkeit
gegen Regierungsbeamte mußte er jedoch mit sechsmonatlicher
Gefangn isistrase büßen.
Schon früher, wahrscheinlich auch in Düsseldorf, hatte
Lassalle die Gemahlin des Grafen von Hatzfeldt, Sophie,
eine geborene Fürstin von Hatzfeldt, kennen gelernt, welche
mit ihrem Gemahl in einem langwierigen Ehescheidungsproceß
lebte, da der Graf die Zahlung von Subsistenzmitteln
verweigerte. Mit glühendem Eifer nahm sich der 20jährige
Jüngling der 40jährigen Dame an und wußte 1854 den
Proceß durch einen für die Gräfin vortheilhaften Vergleich