Deutscher Kaiser.
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„nichts zu befehlen haben wird. Darum erhöre uns
„um Deiner Liebe Willen. Amen."
In diesem Gebetsvorschlag spiegelt sich der ganze und
volle Revolutionär, der mehr zwischen den Zeilen lesen läßt,
als offen ausspricht, wie nur die Gewalt ihn in den Schranken
der Ordnung hält und an offener Empörung hindert.
Es sträubt sich uns freilich die Feder gegen die Mittheilung
solcher Auslasiungen; aber sie sind zur Bervollständigung
unseres Bildes nothwendig, und darum entschließen wir uns,
auch noch aus „Boltsstaat" 1873, 27 ein Gedicht zu citiren,
das dem Volksstaats - Redakteur bei einem Bericht über
die Geburtstagsfeier des Kaisers „durch den Kopf summt.
Es lautet:
„Schlaf' mein Kind, schlaf leis',
„Da draußen geht der Preuß',
„Deinen Bruder hat er umgebracht,
„Deine Schwester hat er zur Hur' gemacht,
„Deinen Vater trieb er in's fremde Land,
„Das Haus hat er uns niedergebrannt,
„Schlaf, mein Kind, schlaf leis',
„Da draußen geht der Preuß'."
Und dieses Schandgedicht, das sich auf die 48er badische
Revolution bezieht, begleitet der „Volksstaat" mit der An
merkung: „Der „Preuß'" dieses Wiegenliedchens stand unter
„dem Oberbefehl des Prinzen von Preußen, des heutigen
„Kaisers von Deutschland! Es hat sich Alles so herrlich
„erfüllt!" Das war doch selbst Parteigenosieu zu viel. Sie
protestirten gegen eine solche tendenziöse schandbare Reimerei.
Aber der „Volksstaat" hatte in seiner folgenden Nummer
keine andere Antwort als: „Zartfühlenden Seelen mißfiel
„die Poesie des „Volksstaat" ron letzter Nummer. Wir
„können den Leuten nicht helfen. Nicht wir sind an dem