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wiederum zu 48000 Familien gelangt. Auf diesem langen Umwege
kommt er also zu einem Resultat; seine Nachfolger wählen in der
Regel den kürzeren Weg, eine gewisse Verhältniszahl für Sterbefälle
‘oder Geburten) vorauszusetzen. Eine jährliche Sterblichkeit von
3,4 Proz. würde rund 380000 Einwohner ergeben; da eine solche
Sterblichkeit vermutlich den Tatsachen recht gut entspricht, mag
Graunt einigermaßen richtig geschätzt haben.
Dagegen waren seine Berechnungen der Altersgruppierung un-
klar. Er wünscht die Zahl der wehrhaften Männer (zwischen 16
und 56 Jahren) festzustellen. Nach seiner oben erwähnten mittels
Schätzung gewonnenen Verteilung sollten von 100 Neugeborenen
40 im 16. Lebensjahre und 6 im 56. Jahre noch am Leben sein. Der
Unterschied ist 34, und er meint nun, daß diese Zahl die relative
Anzahl von Personen des gegebenen Alters angibt. Er sieht nicht,
Jaß er die Anzahl der Todesfälle, nicht aber die Anzahl der dem
Tode ausgesetzt gewesenen Personen gefunden hat. Er hätte fol-
yendermaßen schließen können: zwischen 26 und 36 ‚Jahren ist die
Zahl von 25 auf 16 gesunken; durchschnittlich sind also in jeder
der 10 Altersklassen 20,5 dem Tode ausgesetzt gewesen; für je 100
Neugeborene müßten demnach 205 Personen zwischen 26 und 36
Jahren sein; auf diesem Wege fortsetzend, würde man finden, daß
as für je 100 Neugeborene 740 Personen zwischen 16 und 56 Jahren
gab und in der gesamten Bevölkerung (sämtlichen Altersklassen) 1822,
Einer jährlichen Zahl Geburten und Todesfälle von 13000 würde eine
Einwohnerzahl von 237000 entsprechen, also viel weniger als nach
obiger Schätzung; diese niedrige Zahl hätte wohl Graunt zur Re-
vision seiner Sterbetafel veranlassen können.
Graunt stellt auch interessante Betrachtungen über das Verhältnis
zwischen Knaben- und Mädchengeburten an und knüpft daran —
allerdings nicht gerade klar — Bemerkungen über die Sterblichkeit
beider Geschlechter; trotz der augenscheinlichen Mängel der Graunt-
schen Untersuchungen darf man doch sagen, daß diese ersten Ver-
suche der Behandlung eines bevölkerungsstatistischen Materials von
siner Initiative und‘ Frische im Anfassen der vorliegenden Probleme
zeugen, die Graunt stets einen Ehrenplatz in der Geschichte der Sta-
jistik sichern werden.
23. Petty, Graunts Freund, war ein begabter Mann, der sich
von bescheidenen Verhältnissen zu bedeutendem Wohlstand und an-
yesehener sozialer Stellung (1661 ward er geadelt) emporgearbeitet
hatte. Wie bereits erwähnt, waren es vorzugsweise Fragen politischer
Natur, die ihn interessierten, während er sich weniger mit den