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rinnen den liysterischen Zuckungen und Krämpfen ähnliche Zufälle,
ln Färbereien, in welchen Stoffe durch Benzol entfettet werden, be
dingen die Benzoldämpfe bei den Arbeitern einen Zustand förmlicher
Trunkenheit. Auch lokal wirken dieselben auf Hände und Arme. Diese
Theile zittern, die Haut schrumpft zusammen und die Kranken klagen
über ein lästiges Gefühl von Ameisenkriechen und Trockenheit in der
Haut. Als Grund hierfür führt Perrin die durch den Contact mit
Benzol bedingte Wärmeentziehung und Auflösung des die Haut be
deckenden Fetttalgüberzugs an.
Innerlich genommen wird Benzol in ziemlich grossen Gaben ver
tragen, wie dies die Versuche von Mosler, welcher 8 g pro die gab,
beweisen. Auch ist bis jetzt nur ein Fall von Benzolvergiftung in
der Literatur bekannt, welcher nach Genuss von einer grösseren
Benzolmenge unter den Frscheinungen einer tiefen Narkose verlief
und mit Genesung endete. Auch bezeugen die Beobachtungen von
Hirt, dass ziemlich grosse Mengen von Benzoldämpfen vertragen
werden, indem derselbe bei Arbeitern in Gummifabriken, trotzdem
dieselben sich stets in einer mit Benzoldämpfen sehr stark geschwän
gerten Luft aufhielten, weder eine Verminderung an der Respiration,
noch an dem Pulse wahrnehmen konnte. Bei Allen war der Appetit
gut und in keinem Falle wurde irgend eine Störung der geistigen
Thätigkeit beobachtet.
2) Das Xaplitallii.
Das Naphtalin, ein Product der trocknen Destillation vieler orga
nischer Körper, findet sich zu 2—4 pCt. im Steinkohlenfheer. Bei
der Destillation des letzteren geht die Hauptmasse des Naphtalins
zwischen 180 und 220®C. mit anderen Körpern über.
Aus dem Destillate wird Naphtalin durch Krystallisirenlassen und Fressen
bis zu einem gewissen Grade der Reinheit erhallen und durch mehrmaliges Um-
krystallisiren aus Naphta oder Alkohol oder durch Sublimation weiter gereinigt.
Es schmilzt bei 70® und siedet bei 218®, sublimirt aber schon bei niederer Tem
peratur. Es bildet wohl ausgebildete, glänzende, blättrige Krystalle, die nach
Styrax riechen und einen eigenthümlichen, scharf aromatischen Geschmack be
sitzen. In Wasser unlöslich, sind dieselben in Benzol. Alkohol, Aether etc. leicht
löslich. Sie sind leicht entzündbar und brennen mit rossender Flamme.
Auch über Naphtalin liegen einige Thierversuche (Eulenberg) und einige
klinische Beobachtungen vor.
Die Thierversuche lehren, dass die Naphtalindämpfe reizend auf die Schleim
haut der Nase, des Mundes und der Augen wirken ; dass sie jedoch, so lange sie
kalt sind, ziemlich ^ lange ohne Nachtheil vertragen werden. Die betreffenden
Thiere bekamen vermehrte Speichel- und Thränen Secretion, die Fresslust blieb